Marcus in Brasilien

Segunda-feira, Outubro 17, 2005

Interview mit Cesar Olsen

Morgens um 8:30 Uhr nehmen wir den Bus vom TICEN zum Jardim Eldorado, schließlich sind wir heute mit Cesar Olsen zum Interview verabredet. Er hat sich wirklich Zeit für uns genommen, und berichtet ausführlich über die ersten Jahre als Unternehmensgründer, Wachstumsphasen des Unternehmens sowie alte und aktuelle Herausforderungen:
Im Alter von 16 Jahren starb sein Vater, und er machte eine Ausbildung als Dreher. Nachdem er dreimal durch die Aufnahmeprüfungen an der UFSC und an der UDESC für BWL und Wirtschaftsingenieurwesen gefallen war, arbeitete er zunächst bei einem Designbüro in Blumenau, wo er von einem Descendete alemão (Nachfahrer deutscher Einwanderer) auch eine Ausbildung darin bekam, was Kunden wünschen, aber in Brasilien zu diesem Zeitpunkt schwer zu bekommen war: Produktqualität, Kundenservice und Liefertreue – bis heute wichtige Elemente bei Olsen. Auf die Frage, warum er ausgerechnet Zahnarztstühle herstelle, antwortet er: „Faltam outras opções“ – Es fehlten andere Optionen. Aha. Wir fragen, welche Zutaten ein Unternehmer brauche, um ein Geschäft zu eröffnen: Geld, Ideen, Motivation oder Kundenstamm? Er sagt: Ideen sind das wichtigste, Geld nur das unwichtigste, denn: „Dinheiro (Geld) é uma conseqüência.“
Auf historische Herausforderungen angesprochen, nennt er das „Sich organisieren“: Buchhaltung sowie die strikte Trennung von Privat und Geschäft. Außerdem sei es in der Anfangszeit schwierig gewesen, fähige Mitarbeiter einzustellen. Heutige Herausforderungen sind vom Unternehmen abgeschlossene Sozialversicherungen des Unternehmens, das das staatliche Sozialversicherungssystem den Ansprüchen keinesfalls genüge. So habe man Verträge mit Ärzten und Krankenhäusern abgeschlossen.
Entscheidend für den Erfolg auf den Exportmärkten ist der Kurs des US-Dollars: Sinkt der Wechselkurs (der Real sei noch immer eine Spekulationswährung), steigt der Preis in Dollar, die Nachfrage sinkt.
Ein nächster Vergleich führte uns zu historischen und heutigen Finanzierungsquellen. Am Anfang hatte er weder Geld noch andere Sach- oder Betriebsmittel, so dass alles verdiente Geld sofort wieder ins Unternehmen floss und reinvestiert wurde. Erst seit einigen Jahren laufe das Geschäft so gut, dass mehr übrig bleibe. Dennoch bleibe Reinivestimento bis heute die bevorzugte Finanzierungsform, Olsen sei zu beinahe 100% eigenkapitalfinanziert. Ausnahme sei das Leasing von Maschinen.
Er berichtet weiter über die innere Organisation des Unternehmens mit der extrem flachen Hierarchie und den kurzen Wegen. Sowie von einer interessanten Tatsache: „Não consigo trabalhar em grupos.“ – Ein Teamplayer sei er nicht. Dafür habe er die Abteilungsleiter, und für einen Unternehmer sei das auch nicht so sehr erforderlich, dieser müsse eh unabhängig von der Meinung anderer entscheiden. So sieht das übrigens auch Prof. Álvaro, der einmal sagte: „O Empreendedor tem que ser o dono do seu nariz.“ – Der Unternehmer muss Eigentümer seiner Nase sein.
Zum Schluss erzählt Sr. Cesar noch einige Anekdötchen, z.B. seine Meinung über Marktforschung: „Da wird gefragt was der Kunde will, dann analysiert, dann ein Produkt eintwickelt, was vielleicht nicht allen entspricht, es geht viel Zeit ins Land. Und wenn das Produkt dann auf den Markt kommt, haben sich die Kundenwünsche geändert.“ Seine Strategie daher: der Überraschungseffekt bei der Markteinführung innovativer Produkte.
Zum Schluss fragen wir noch, wie er die Unternehmensnachfolge regeln wird. Er hat drei erwachsene Kinder. Die älteste, Roberta Olsen, studiert BWL und Design, und tritt schon etwas in die Fußstapfen ihres Vaters: „Ich unterstütze meine Kinder, wo ich kann, Dieses Unternehmen ist die Verwirklichung meines Traumes – aber den möchte ich meinen Kindern nicht aufzwingen!“ Deswegen wird er sie dabei unterstützen, ihre Träume zu verwirklichen, keinesfalls aber zwingen, ihm in der Unternehmensleitung zu folgen.
Nach dem Interview, wir bedanken uns ganz herzlich für seine guten Ratschläge, können wir Olsen natürlich nicht so schnell verlassen, ohne der Abteilung Engenharia und Helvio einen Besuch abzustatten. Helvio ist bester Laune, und erkundigt sich als erstes, ob wir auch genügend herumreisen würden, jetzt wo das Praktikum vorbei sei. Auf dem Oktoberfest wären wir doch sicher schon gewesen?
Er hat eine neue Maschine zum Plasmaschneiden gekauft, und präsentiert die Teile: so müssen nicht mehr alle Teile zeitaufwändig mechanisch gestanzt werden, und durch das „Zusammenpuzzlen“ der diagonal zugeschnittenen Teile auf der größeren Arbeitsfläche reduziere sich der Verschnitt erheblich. Und noch eine gute Nachricht hat er: Er hat die Bewerbungen der Deutschen für 2006 gelesen, und sich schon seinen Kandidaten rausgesucht.
Zu Mittag sind wir zurück in Floripa, und begeben uns wieder an das PCP-Spiel, wo wir zuvor entnervt aufgegeben hatten. Das Spiel bleibt scheiße, und nach den sechs Perioden, die wir simulieren sollten, ist der Gewinn nach zwischenzeitlichen Verlusten immerhin wieder positiv.

Domingo, Outubro 16, 2005

Lucas' Taufe

Für 10 Uhr ist die Taufe angesetzt, aber ich wache früh auf, und setzte mich hin und schreibe Tagebuch. Zufällig schaue ich nach etwa einer halben Stunde mal auf und stelle fest, dass meine Notebookuhr 10 Uhr statt 9 Uhr anzeigt. Nun ja, Zeitumstellung gibt es laut Luiz in Brasilien nicht, dass hatte er mir mal erklärt. Vielleicht ist die Zeitzone auf Argentinien eingestellt, und die Argentinier stellen vielleicht um? Nein, es steht auf Brasilia. Der brasilianische PC im Wohnzimmer hat die Uhr nicht umgestellt, ich denke an einen Fehler mit den Zeitzonen im deutschen Windows. Zur Sicherheit schlage ich mal www.folha.com.br auf, mein Pendant zu Spiegel Online, und muss lesen: „Hoje começa o horário de verão“ – Heute beginnt die Sommerzeit. Zumindest in den Südstaaten.
Schnell wecke ich Franziska, auch wenn die Taufe schon gerade beginnt. Mit 40-minütiger Verspätung treffen wir im Sonntagshochamt ein, wo ca. zehn Täuflinge soeben getauft wurden. „Du hättest ja wenigstens mal was sagen können gestern Abend!“, erzähle ich Cássia, aber die ist auch wohl erst kurz vor uns eingetroffen. Wenigstens waren die Taufeltern und –paten pünktlich, auch wenn Luiz im Auto nach Santa Mônica gesteht, dass es ihnen um 21 Uhr am Vorabend eingefallen sei.


Lucas mit Hallthmann und Leonice, seinen Eltern


Opa und Oma

In meinem alten Zuhause in Santa Mônica ist der Regen irgendwie noch stärker als in Trindade, während das übliche Team um Fábio (aus der Studentengemeinde) den Churrascoofen in Gang setzt.


Fábio aus der Studentengemeinde ist wie immer verantwortlich für das Churrasco bei Luiz und Michelle


Michelle und Luiz als glückliche Taufpaten

Wir fragen Luiz und Michelle, ob es einen optimalen Zeitpunkt zur Geschenkübergabe gäbe. Gibt es nicht und wir machen es sofort, was unser Glück ist: 10 Minuten später bekommt Lucas den gleichen Strampler , gekauft im selben Geschäft, noch einmal.
Von Leonice´s Vater bekommen wir noch eine Einladung, seine Ranch im Norden von Paraná zu besuchen, und machen uns dann irgendwann nach Hause.

Sábado, Outubro 15, 2005

Chilli con Carne und Tiramisu

Früh brechen Franziska und ich zu Fuß zum Angeloni auf, denn dort gibt es einfach mehr als im Comper. Längst jedoch nicht alles: Rote Bohnen in der Dose gibt es z.B. nicht, sondern nur trocken kiloweise in Plastikbeuteln. Auch für das von Franziska geplante Erdbeertiramisu müssen wir eine Ersatzzutat für Mascapone finden. Dafür gibt es passend zum Oktoberfest „Deutsche Wochen“ im Angeloni, mit Schogetten für 8 Reais. So eine ausgesuchte Schokoladenmarke ist das nicht, knapp drei Euro sind mir die nicht wert!


Michiko und Franziska sind keine Vegetarierinnen

Schwer beladen geht es zurück, und Michiko steht zum Mithelfen bereit, während Anna Holandesa noch ein weiteres Dessert zubereitet: Maria Mole, was sonst. Annas Leib-und Magenspeise. Pünktlich um halb 1 steht das Essen auf dem Tisch. Fehlen nur noch die Brasilianer, die es mit den Uhrzeiten ja bekanntermaßen nicht so haben.


Nach dem Essen auf der Terasse: Markus, Dayane, Leandro und Su


Resteessen

Aber dennoch sind fast alle da: Fábio, Leandro und Marcela, Dayane, Su und der Sanstista, Markus und Patricia sowie Jürgen und sein brasilianischer Mitbewohner Guilherme. Anna und Michiko natürlich auch. Nachdem die Brasilianer noch etwas Forró mit uns getanzt haben, ist das Mittagessen dann gegen halb sechs beendet, und wir legen uns schlafen, bevor es zur Abendveranstaltung geht: Cássias Geburtstag.


Der kleine Neffe von Cássia übt schon den Beleza-Daumen.

Markus hat noch ein paar schöne Geschenke besorgt, und statt unter Studenten sind wir nun unter Doktoranden. Bei Cássia im Apartement gibt es noch einmal dick was auf die Gabel, sie hat eine Costela gebacken, ein zusammenhänge Rippchenroulade. Sehr lecker!
Cássias kleiner Neffe und Cássias Schwester sind zu Besuch, und eine ganze Reihe Doktorandenkollegen von ihr.

Sexta-feira, Outubro 14, 2005

Strampler kaufen

Den Vormittag verbringen wir mit der Simulation im neuen PCP-Spiel. Entweder machen wir etwas falsch, oder es gibt einige Fehler im Spiel, denn es funktioniert vorne und hinten nicht. Deswegen kaufen wir zunächst mal ein: Was kauft man, wenn man zu einer Taufe eingeladen ist? Richtig, einen Strampelanzug. Also sind wir im Trindade Shopping fündig geworden. Abends hat noch Cesars Sekretärin angerufen, ob uns denn Montagmorgen ein Interview mit Cesar passen würden. Na klar.
Ich habe Lust, morgen mal wieder groß zu kochen, also trage ich mich in die Liste am Kühlschrank ein, und plane ein großes Chili con Carne. Danach treffen wir uns noch mit den Brasilianern auf einer Geburtstagsfeier, und ich entscheide mich, die Brasilianer auch gleich noch mit einzuladen. Am Samstagabend wird Cássia ihren Geburtstag feiern, also legen wir das Essen mit den Brasilianern auf den Mittag. Ich frage Ângela, ob ich vielleicht am Morgen das Auto bekommen könnte, ich wollte im Angelon einen Großeinkauf machen für das Chili. Ângela wird aber mit Eduardo, Delmo, Rika und Takuya zu Ângelas Eltern fahren. So werden wir das Haus für uns alleine haben, macht aber auch nichts.
Abends gibt es zu Hause noch ein kleines Churrasco.

Quinta-feira, Outubro 13, 2005

Ele é superacessível

Für Empreendedorismo müssen wir ja noch ein Interview mit einem Unternehmer machen. Nun, so viele Unternehmer kennen wir nicht in Floripa, eigentlich nur einen: Cesar Olsen. Deswegen bereiten wir ein Interview vor, und klären morgens mit unserem Professor ab, ob wir unsere Fragen so stellen können. „Cesar Olsen?“ fragt Prof. Álvaro. „Macht Euch keine Sorgen. Ele é superacessível!“ – Er sei supererreichbar. Also schicken wir ihm unsere Anfrage und das vorbereite Interview per Mail.
Ein Grund, erst einmal an den Strand zu fahren nach der Portugiesisch-Aula. Aber während im Uni-Stadtteil Trindade noch allerbestes Wetter ist, ziehen an der Praia Joaquina bereits die ersten Wollken und Nebel auf, so dass wir schnell wieder verschwinden. Steve verabschiedet sich für die nächsten Tage nach Blumenau, er will mit seinen Praktikumskollegen noch etwas aufs Oktoberfest.

Quarta-feira, Outubro 12, 2005

Aparecida

Um kurz vor acht Uhr morgens kommt der Bus in Floripa an, und wir nehmen den ersten Bus nach Carvoeira, wo wir wieder ins Bett fallen. Schade eigentlich, denn heute ist der Feiertag „Nossa Senhora de Aparecida“ und allerbestes Wetter.


Ankunft in Floripa mit Leandro und Marcela

Zum Mittagessen sind wir bei Luiz und Michelle eingeladen, am Wochenende war in Pará ein goßer Feiertag, und so haben sie viele Freunde, die ebnfalls Paraenses sind, zu sich nach Hause eingeladen. Es gibt Frango no Tucupi, eigentlich heißt das Gericht Pato no Tucupi, aber Ente (=Pato) haben sie wohl nicht bekommen, so muss Hühnchen herhalten.
Hallthman und Leonice (Paraense und Paranense, also aus Pará und Paraná, das soll mal jemand auseinanderhalten, obwohl in total unterschiedlichen Teilen Brasiliens liegt) sind auch da, und haben Lucas dabei, der schon richtig gewachsen ist. „Nós vamos batisar ele ao domingo“- Am Sonntag wird er getauft, und Franziska und ich werden eingladen. Luiz und Michelle werden die Taufpaten, und wo gibt es das Churrasco: Im Hause der Taufpaten, wo sonst?
Zu Hause angekommen, schlafen wir weiter aus, und abends können wir noch Steve zum Pizza Essen überzeugen. Er hatte Forsti und seine Eltern zur Rodoviária gebracht, die nach Foz aufgebrochen sind.

Terça-feira, Outubro 11, 2005

Oktoberfest

Heute war wieder einmal Konversationsrunde mit den Brasilianern in der Verdilha, alle sind schon gespannt auf das Oktoberfest. Die Karten hat Fábio organisiert, und alle fahren mit. In vorletzter Minute entscheidet sich auch Rebecca, mitzufahren, und besorgt sich nachmittags noch Karten in der Stadt.
Während dessen schreibe ich meinen Portugiesischtest, es läuft ganz gut. In PCP bekommen wir die Aufgabe, die ersten sechs Perioden des neuen Spiels zu spielen.
Nun kommt die Stunde des Herrn Ritter, sich in allerletzter Minute um Karten zu kümmern, was mit erheblichem Aufwand beim Ticketkauf verbunden ist.


Forsti hat sich schick gemacht fürs Fest

Währenddessen treffen Franziska, Steve, Forsti und ich uns in der Odontologocia-Lanchonete auf einen X-Salada. Das geplante Vorglühen bei Calipro entfällt dann irgendwie doch, und mit Fábio fahren wir in die Stadt, wo ein abgewrackter Catarinense-Bus auf uns wartet. Die Reise organisiert hat ein abgewrackter Mittvierziger, der heute mal den großen Chef spielen kann, aber mit einer Horde trinklustiger Studenten dann doch ein wenig überfordert ist. Er versuchts mit militärischem Drill, und das stößt auf allgemeines Gelächter.
Drei Viertel des Busses sind Studenten der Engenharia de Produção, die wir ja auch alle schon kenne, sowie Freunde von ihnen. Ist also ein richtiger Familiennausflug. Eine Dreiviertelstunde verbringen wir in einer Polizeikontrolle vor den Toren Blumenaus. Die ganze Fahrt hatten wir im Gang gestanden, und nun brüllt der große Anführer von vorn „Hinsetzen! Polizei!“ und sieht seine große Stunde gekommen. „Wie gut, dass er noch eine Flasche Dreher (Schnaps) dabei hat, um einigermaßen wieder herunter zu kommen“, stellt Steve fest.
Kurz vor Mitternacht kommen wir dann auf dem Oktoberfest an, und es ist noch nicht einmal sooo voll. Das kommt dann erst ab 1 Uhr in der Nacht, wenn Blumenaus Jugendlichen geschlossen da sind. Überhaupt seind 75% der Besucher unter 30. Die Bands kommen zum großen Teil aus Deutschland, die jedes zweite Lied wacker „Ein Prosit…!“ anstimmen müssen, denn nur das kennen die Brasilianer und nur das wollen die Brasilianer hören. Sitzbänke gibt es kaum, man geht eigentlich nur zum Ausruhen dahin, wenn man nicht gerade tanzt. Und das Bier? Wird in normalen Trinkgläsern serviert, schon gar nicht in Maßkrügen. Irgendwann im Laufe des Abends schlage ich mich mit Forsti und Steve an den Ort des Trinkwettbewerbes Chopp em Metro durch. Forsti hat auch mitgemacht, aber leider nicht gewonnen. Dabei wird das Bier in langen schmalen Glasröhren serviert, die unten eine Kugel und oben wie ein Weinglas geformt sind, serviert. Und dann ist es die Kunst möglichst schnell zu trinken, ohne einen tropfen zu verschütten. Die Schwierigkeiten entstehen, wenn die erste Luftsäule die untere Kugel erreicht und ein Bierschwall auf das Gesicht zusteuert.


Chopp-em-metro

Irgendwann spricht uns ein junger Deutscher an, Thomas, der in Blumenau studiert. Mit dem bin ich noch weiter übers Fest gezogen, während Forsti und Steve noch geblieben sind. Währenddessen war Franziska mit Su und Dayane los, und Su hat wohl einem Bühnenmoderator gesteckt, dass mit Franziska eine echte Deutsche anwesend sei. Franziska muss auf die Bühne, und bringt mit „Eu amo o Brasil“ natürlich die Herzen der Brasilianer auf ihre Seite.


Franziska, Suyene, Patricia und der Santista

Wir treffen uns zum Souvenirkauf wieder, und um fünf Uhr morgens, als in Blumenau die Dämmerung einsetzt, machen wir uns auf den Weg nach Hause.


Leider im Suff die Buchstaben vertauscht

Segunda-feira, Outubro 10, 2005

viel zu tun - wenig Zeit zum Schreiben

Hallo,

momentan gibt es an der Uni viel zu tun: Eine Prüfung in Engenharia de Software habe ich geschrieben (die nach langer Vorbereitung dann doch nur Multiple Choice war...), morgen steht ein Portugiesischtest an.
Außerdem waren wir viel unterwegs, am Wochenende z.B. in Porto Alegre, wo wir uns mit den Japanern u.a. ein Konzert von Ivete Sangalo (etwa wie Madonna in Brasilien) angeschaut haben.
Wir haben eine Technologiefirma besichtigt und viele neue Freunde unter den Freunden der brasilianischen Austauschpartner kennen gelernt.
Mein Onkel und meine Tante sind letzte Woche in Floripa gelandet, sie besuchen Edgar in Blumenau. Da fahren wir morgen auch hin: Mit unseren Austauschpartnern und einigen brasilianischen und deutschen Kommilitonen fahren wir aufs Oktoberfest in Blumenau.

D.h.: zum Tagebuch schreiben komme ich momentan nicht sooo sehr, daher ist das erst ein provisorischer Artikel und alles andere exisitiert bisher nur stichpunktartig.

Domingo, Outubro 09, 2005

Imagem e Ação

Am Sonntag konnten wir dann wieder zu Hause erst einmal ausschlafen, und ich habe tagsüber telefoniert und etwas für den Portugiesischtest in der nächsten Woche gelernt. Passivsätze und Subjonktive. Der Abend wurde dann wieder richtig witzig, da wir uns mit den Brasilianern im Calipro-Studentenbüro getroffen haben, und „Imagem e Ação“ (Bild und Aktion) gespielt haben, eine Mischung aus Tabu und den Montagsmalern.


Su, Franziska, der Santista, Leandro, Artur, Dayane, MMG

Entweder durch Gesten oder durch Tafelmalerei muss die eigene Gruppe einen Begriff erraten, mal müssen beide Gruppen den gleichen Begriff synchron erraten, wobei die Schnelligkeit und Ausdrucksstärke des Erklärenden viele Vorteile verschafft. So erklärte Franziska das Wort „Erfindung“ mit einem Fahrrad mit eckigen Rädern. Erstaunlich ist, dass Brasilianer offenbar glauben, in Gaskammern würden elektrische Stühle stehen. Den Vogel abgeschossen hat jedoch Vinicius mit seinem Zebra:


Zebra

Sábado, Outubro 08, 2005

Stadtrundfahrt in Porto Alegre

Morgens stehen wir ziemlich früh auf, denn um 9 Uhr fängt die Stadtrundfahrt an. „Wenn mehr als 20 Leute zusammenkommen“, heißt es dann am Schalter. Aber für 11 Uhr sei eine große Gruppe angemeldet, wo wir im Bus mitfahren könnten. Also müssen wir unnütz zwei Stunden totschlagen. So sehr totschlagen müssen wir diese dann doch nicht, denn in der Nähe befindet sich die Kathedrale und weitere historische Gebäude, die wir besichtigen.


Porto Alegre - einzige schöne Ansicht

Wobei in Porto Alegre historische Gebäude selten sind, und wenn es welche gibt, steht daneben ein 20stöckiges hässliches Hochhaus aus den Siebzigern.
Die Stadtrundfahrt wird dann ziemlich witzig, da der Führer ein echter Gaúcho ist und sowohl das „R“ als auch seine Herkunft aus Rio Grande do Sul besonders stark betont, und seien es nur Kleinigkeiten: „Aqui uma loja da marrravilhosa emprrresa rrrriogrrrandense VARRIG!“ – und hier eine Filiale der wunderbaren Fluggesellschaft VARIG aus Rio Grande do Sul!“.


Historisches Gebäude: Auf das Umfeld kommt es an!


Auf der Stadtrundfahrt gesehen

Nach der Stadtrundfahrt schnappen wir uns unsere Sachen aus dem Hotel, und Franziska und ich entscheiden uns, heute schon zurück nach Floripa zu fahren.
Auf der Rückfahrt am Abend wird klar, warum die größtenteils nur einspurige Straße von Porto Alegre nach Florianópolis als Landstraße des Todes brüchtigt ist: Einmal ist die Straße gesperrt, weitere Male fahren wir an Unfallstellen vorbei, wo LKWs, Autos und sogar einmal ein Panzertransporter der Armee mit aufgeschnalltem Panzer im Graben liegen, als Folge von wahrscheinlich ungeglückten riskanten Überholmanövern.
Gegen 1 Uhr morgens erreichen wir Floripa und nehmen den Madrugadão Centro, den Nachtbus.


Kaufhausdetektiv

Sexta-feira, Outubro 07, 2005

Ivete Sangalo

Ich habe nicht besonders gut geschlafen während der nächtlichen Busfahrt, und zu allem Überfluss ist es regnerisch und kalt in Porto Alegre, als der Bus in die Rodoviária der Haupstadt Rio Grande do Suls einbiegt.
Im Hotel Palácio angekommen, schlafen wir zunächst einmal aus, bevor wir mit Anna und Michiko den Mercado Público und ein Museum besuchen. Das schlechte Wetter zwingt zu Spontankäufen von Regenschirmen und zum Kakaotrinken im Museumscafé.


Schon vor Anna waren die ersten Holländer in Porto Alegre...


etwas eigenwillige Klang- und Neonröhreninstallation im Museum

Im Museum läuft die Biennale Südamerikas, im Keller mit einigen interessanten Klanginstallationen.
Rika und Takuya waren schon vorher losgezogen, um sich mit anderen japanischen Austauschstudenten zu treffen, die an der UFRGS (das Pendant zur UFSC in Rio Grande do Sul) studieren. Vor dem Konzert treffen wir uns also mit Rika, Takuya, Misuzu, Keiko und Jutta (ein japanischer Männername) in einem Einkaufszentrum.


Unibral von Japan aus: Jutta, Misuzu, Rika, Keiko, Michiko, Takuya

Von da aus laufen wir zu Fuß ins Gigantinho, eine große runde Sporthalle, in der heute Abend Ivete Sangalo auftreten wird. Als wir ankommen, ist die Halle noch ziemlich leer. Während über uns ein großes Gewitter tobt, versuchen Bier- und Chipsverkäufer sich durch die größer werdenden Menschenmengen in der Halle zu bahnen. Eine Vorband gibt es leider nicht, und auch keinen Verkaufsstand für diverse Devotionalen, wie z.B. T-Shirts.
Um ca. halb elf geht dann das Konzert los, sehr geniale Show. „Quero beijar a sua boca louca!” heißt ein Lied: „Ich möchte auf Deinen verrückten Mund küssen!“. Die Halle bebt, als Ivete ihr bekanntestes Lied „Levantou Poeira“ singt, „Es hat Staub aufgewirbelt“.


Ivete!

Quinta-feira, Outubro 06, 2005

Ankunft von Gerta und Raimund

Morgens waren wir mit einigen Studenten in Industrierobotertechnik, schließlich hat Prof. Raul eine Besprechung angekündigt. Wird der Streik der Professoren etwa zu Ende gehen?
Nun, Prof. Raul war nicht da. Einer der Studenten hat ihm dann eine Mail geschrieben, und die Antwort ist selbst in deutscher Sprache veröffentlichungswert:

Caros alunos,

Recebi mensagem do Vitor, reclamando, com razão (ao menos parcial), do fato de eu não ter ido lá na sala hoje de acordo com o combinado (segundo ele).

Honestamente não lembro se deixamos certo que eu iria lá hoje para conversarmos ou haveria uma confirmação. Se deixamos certo desculpem-me por favor.

De qualquer maneira, ontem no final da tarde encontrei um colega de vocês que também me perguntou se eu iria lá hoje. Conversando solicitei que ele, por via das dúvidas, comunicasse a todos que eu não iria.

Assim, devo pedir meia desculpa (no mínimo).

O Vitor avalia que “a greve enfraqueceu muito” e me informa que sou “o unico professor (nosso) que nao esta ministrando aulas” e mostra-se preocupado sobre “como isso afetara o (nosso) final de semestre.”

Ele pede ainda que eu “avise sobre os seus (meus) planos que eu repasso para os outros alunos.”

Tenho me reunido com outros professores do CTC e nas assembléias do que constatamos que há cerca de 70 professores em greve no CTC (35 na arquitetura e 35 no restante).

Tenho informações de que a adesão no DAS diminuiu (talvez daí a conclusão do Vitor de que “a greve enfraqueceu muito”).

Na semana passada cheguei a considerar a necessidade de uma reunião nossa para hoje porque também sentia o mesmo (enfraqueciemento da greve e perda de perspectiva).

Esta semana, no entanto, o governo apresentou uma proposta. É verdade que ela foi rejeitada na assmbléia de terça passada por 50 a 40 votos.
Votamos com os 40 que queriam vê-la mais discutida pelos demais professores.

Amanhã, sexta-feira, nossos representantes têm nova reunião com o governo. Achei prudente aguardá-la.

Para a semana que vem temos o eneca.

Assim, creio que deveriamos deixar qualquer iniciativa para a semana seguinte.

Aí sim, confirmaríamos um encontro na terça ou na quinta.
Confirmaríamos, certo?

Se, no entanto, vocês julgarem útil nós nos encontrarmos antes, estou completamente à disposição.

Para finalizar peço a outra meia desculpa ao final.

Abraços,
Raul

Liebe Studenten,

Ich habe eine Nachricht von Viktor erhalten, der sich zu Recht (zumindest zum Teil) darüber beschwert, dass ich heute nicht wie verabredet (wie er sagt) zur Vorlesung erschienen bin.

Ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, ob wir sicher vereinbart hatten, dass ich kommen würde, um zu reden, oder ob es noch einer Bestätigung meinerseits bedurfte. Falls wir den Termin schon sicher bestätigt hatten, entschuldigt mich bitte.

Wie auch immer, gestern am späten Nachmittag habe ich einen Eurer Kommilitonen getroffen, der mich ebenfalls fragte, ob ich heute kommen würde. Im Gespräch bat ich ihn, um Zweifel auszuräumen, allen mitzuteilen, dass ich nicht komme.

Also, muss ich um Eure Entschuldigung bitten (mindestens).

Vitor meint, der „Streik schwächele sehr” und informiert mich, dass ich „(unser) einziger Professor, der keine Stunden hält” sei, und zeigt sich besorgt, wie dies „sich auf das Ende (unseres) Semesters auswirke.”

Er bittet mich außerdem, dass ich ihn „über meine Pläne aufkläre, die er dann an die anderen Studenten weiterleite.“

Ich habe mich mit den anderen Professoren der Technikfakultät getroffen, und in den Versammlungen haben wir festgestellt, dass etwa 70 Professoren unserer Fakultät im Streik sind (35 der Architektur und 35 restliche).

Ich habe Informationen, dass die Zustimmung [zum Streik] bei den Automatisierern abnimmt (vielleicht hat Vitor daraus geschlossen, dass „der Streik schwächele“).

In der vergangenen Woche war ich soweit, in Erwähnung zu ziehen, dass ein Treffen unsererseits für heute notwendig werden würde, da ich das gleiche fühlte (Erlahmung des Streiks und Perspektivlosigkeit).

Diese Woche hat die Regierung jedoch einen Vorschlag präsentiert. In Wahrheit wurde dieser jedoch von der Versammlung [der Streikenden] am vergangenen Dienstag mit 50 zu 40 Stimmen zurückgewiesen.
Wir stimmen mit jenen 40 anderen Professoren überein, die diesen [Vorschlag] weiter diskutiert wissen wollen.

Morgen, Freitag, haben unsere Repräsentanten ein Treffen mit der Regierung. Ich denke, man muss jetzt vorsichtig abwarten.

Nächste Woche ist Eneca [Robocup in Floripa – soll heißen: Dort passiert eh nichts, aber man sieht sich].

Also glaube ich, sollten wir jegliche Initiative auf die darauf folgende Woche vertagen.

Ach ja, wir haben ein Treffen für Dienstag oder Donnerstag festgelegt.
Nicht wahr?

Falls Ihr es jedoch wünscht, dass wir uns vorher treffen, stehe ich volständig zur Verfügung.

Zum Schluss bitte ich Euch noch um Verzeihung.

Viele Grüße,
Raul


Raul ist ein Spezialist. So nett wie er ist.
Nachmittags haben wir dann den Sprachkurs geblockt, und stattdessen meine Tante und meinen Onkel aus Deutschland am Flughafen in Floripa abgeholt, die die nächsten Wochen Onkel Edgar in Blumenau besuchen werden. Mit 1,5 stündiger Verspätung landet ihre Maschine, vorher hatte Edgar am Flughafen noch ein paar Storys aus seiner Zeit in Mato Grosso erzählt, als es dort noch keine einzige Asphaltstraße gab.


Edgar mit Franziska und Raimund und Gerta

Mit der gleichen Maschine landen auch die Eltern von Forsti. Am Nachmittag gehe ich noch mit Leandro, Vinicius, Carla und Dayane und einigen anderen in die Bar da Nina, bevor es abends in den Bus Richtung Porto Alegre geht. Zusammen mit Anna, Michiko, Rika und Takuya fahren wir zu einem Konzert der brasilianischen Sängerin Ivete Sangalo, und die Stadt werden wir natürlich auch besichtigen.

Quarta-feira, Outubro 05, 2005

Klausur in Engenharia de Software

Die Klausur in Engenharia de Software ist anders, als ich mir es vorgestellt habe. Sämtliches Material, ausgenommen elektronische Hilfsmittel, ist zur Benutzung erlaubt, und die Klausur ist Multiple Choice. Escolha Múltipla, sagen die Brasilianer. Es gibt acht Themengebiete mit jeweils vier Aussagen, die als richtig/falsch zu markieren sind. Das Benotungssystem ist etwas eigenartig, wer alle vier Aussagen des Themengebietes richtig markiert hat, bekommt 10 Punkte, wer einen Fehler hat, bekommt 6 Punkte, und dann jeweils pro Fehler 2 Punkte weniger.
Nachmittags verabschieden wir Kathrin in einer Lanchonete in der Uni mit lecker Kuchen, und abends wird sie mit Steve nach Rio aufbrechen, um von dort wieder nach Deutschland zurückzufliegen – das Semester ruft.
In Empreendedorismo bekommen wir eine neue Projektaufgabe, wir sollen in Zweiergruppen ein Interview mit einem Unternehmer machen, den wir uns selbst aussuchen sollen.

Terça-feira, Outubro 04, 2005

Regen, Regen, Regen

Morgens gehen wir schon gar nicht mehr in die Aulas von Industrierobotertechnik, die fallen eh aus. Wenngleich wir von einigen Tagen auf dem Campus Prof. Raul Guenther getroffen haben, der am Donnerstag ein Treffen machen will. Immerhin.
Markus Ritter startet einen zweiten Versuch, ins Pantanal zu fahren, und ich bringe ihn zusammen mit Anne und Ingmar zum Flieger.
Mittags treffen wir uns wieder zur Deutsch-Konversation in der Verdilha, und in PCP präsentiert der Professor ein neues Simulationsspiel über Programm- und Reihenfolgeplanung. Steve, Kathrin, Forsti und Franziska fahren bei furchtbarem Regenwetter in eine Eisdiele – das ist konsequent. Ich bleibe auch konsequent und lerne stattdessen noch ein bisschen für meine Klausur morgen.

Domingo, Outubro 02, 2005

Horto Florestal oder Enten füttern im Park

Heute ist das Wetter einigermaßen besser, so dass ich nachmittags eine Lernpause einlege und mit Franziska einen Spaziergang zum Horto Florestal, einem Park in Corrego Grande, mache. Dorthin scheinen alle jungen Familien zu gehen, der Park ist voller kleiner Kinder, die Enten füttern, und Eltern, die ihren Sprösslingen „Punkies“ zeigen: Hähne mit Hahnenkamm. Auf dem Rückweg müssen wir feststellen, dass alle Eisdielen und Cafés geschlossen haben, und das an einem Sonntagnachmittag.
Abends war ich in Trindade in der Messe. Ana aus der Studentengemeinde hatte offenbar vor ein paar Tagen Formatura gefeiert, und lädt in die Pipa ein. Die natürlich geschlossen hat. Richtig, ist ja auch Sonntag. Einige hundert Meter weiter hat der Capitão Gourmet geöffnet, so lassen wir uns dort nieder. Da die Welt klein ist, treffen wir dort Dayane und Su, die mit einigen weiteren Freunden von Gustavo seinen letzten Abend in Brasilien feiern.

Sábado, Outubro 01, 2005

Lernen...

Besonders spannend ist das Lernen für Software Engineering nicht gewesen, also ist neben Auschlafen nicht so besonders viel passiert. Beim Lernen fällt mir jedoch auf, dass zum wirklichen Verstehen des Stoffes ein deutsches Lexikon unheimlich hilfreich ist. Herzlichen Dank an die Autoren der UML-Artikel in Wikipedia.
Franziska, Anna und die Japaner machen sich derweil einen schönen Tag und haben sich abends noch Sushi kommen lassen.