Marcus in Brasilien

Sexta-feira, Setembro 30, 2005

Aurores Geburtstag

Den Tag über lerne ich für Engenharia de Software, denn dort gibt es nächste Woche eine klitzekleine Prüfung zu schreiben. Abends gibt es ein großes Churrasco, schließlich feiert Quasi-Mitbewohnerin Aurore Geburtstag. Neben den deutschen kommen natürlich auch alle französischen Austauschstudenten, sehr lustig.


Französischer Geburtstag mit Churrasco, Bier und Kuchen

Irgendwann um Mitternacht (ja, die Partys beginnen hier später) holen uns Leandro und Dayane ab, und am nächsten Supermarkt treffen wir noch Marcela, Carla, Suyenne (genannt Su), Vinicius und den Santista, bevor wir dann zur Pedrera, dem Forróschuppen in Lagoa de Conceição, fahren.
Es sind eigentlich alle da, die Japaner, die Franzosen, Anna, wir Deutschen, unsere Brasilianer und deren Freunde, und wir bleiben bis mindestens fünf Uhr. Relativ interessant zu beobachten sind Annäherungsversuche zweier künftiger Austauschstudenten, die nächstes Jahr nach Deutschland gehen werden, und mit deren brasilianischen Freunden darüber zu tratschen. Allen voran Dayane und Su erweisen sich als gefürchtete Klatschtanten, sehr genial. Irgendwann im Laufe des Abends kommt dann ans Licht, dass das Mädel, das bei der Calipro-Party vor einigen Wochen zu mir „Gib mir, gib mir Kinder“ sagte, Su war. So schließt sich der Kreis, und immer häufiger wird deutlich, dass Floripa mindestens genauso klein und familiär wie Ilmenau ist.
Auf der Rückfahrt landen wir noch bis zum Tagesanbruch in einer Lanchonete in Corrego Grande, und erst um halb sieben lande ich morgens im Bett.


mit den Brasilianern beim Forró

Quinta-feira, Setembro 29, 2005

Abschied von Gustavo

Gustavo kenne ich nicht, aber jeder brasilianische Kommilitone scheint ihn zu kennen. Er studiert ebenfalls Wirtschaftsingenieurwesen und fliegt Montag nach Ilmenau, wo er ein Praktikum in einem An-Institut der Uni beginnen wird. Grund genug, wieder mal in der Republica zu landen. Nach und nach lernen wir immer mehr Kommilitonen unserer Brasilianer kennen, da wären z.B. Vinicius, wo wir letzte Woche schon auf dem Geburtstag waren, Dayane, Kleber, der Santista (eigentlich Andre, aber der Spitzname leitet sich von seiner Heimatstadt Santos ab) sowie die zwei Nachfahren japanischer Einwanderer: Herman und Dieter.

Quarta-feira, Setembro 28, 2005

Mecenes Bar

Nachdem ich tagsüber angefangen habe, etwas für die Klausur in Software Engineering in der nächsten Woche zu lernen (und fast verzweifelt bin), war ich abends mit Christian, Markus, Steve, den Japanern und mit Steves Kumpeln in der Mecenes Bar.


Steve's Kumpel Kiste, ich und Steve

Terça-feira, Setembro 27, 2005

Chopp de Meter

Heute waren wir wieder mit den Brasilianern in der Verdilha zur Konversation. Und da in München das Oktoberfest ja schon langsam zu Ende geht, gibt es natürlich heute nur ein Thema: Oktoberfest in Blumenau. Da müssen wir mit Euch hinfahren, ist natürlich die einhellige Meinung der brasilianischen Studenten. Es gebe kleine Busunternehmen, die Fahrten für Studenten für ca. 30 R$ anbieten, und Fábio wird Plätze organisieren. Carla erzählt derweil von Chopp de Meter. „Ein Meter Bier?“, fragt Forsti. „Das gibt es in Deutschland auch!“. Chopp de Meter ist natürlich anders, wie Karla erklärt: Eine Competição, ein Wettbewerb. Es gibt ein Meter lange Glasröhren, die unten in einer Kugel enden, und oben in einer Halbkugel. Etwa ein halber Liter Bier ist darin, und man fängt oben an zu trinken, kippt den Kolben, und irgendwann, wenn die einströmende Luft an der unteren Glaskugel ankommt, tritt ein Schwall Bier aus, den es nicht zu verschütten gilt.
Außerdem lernen wir jetzt immer mehr Freunde von den Brasilianern kennen, und am Donnerstag wird mal wieder Republica angesetzt.

Segunda-feira, Setembro 26, 2005

Markus im Referatsstress

Während ich heute einen Ruhigen mache, steckt Markus im Stress, er muss heute Abend eine Präsentation in Data Mining halten. Als alle anderen schon von am Abendbrottisch von Franziskas leckerer Suppe kosten, wird bei ihm erst alles in letzter Minute fertig.

Domingo, Setembro 25, 2005

O homen que copiava

Aufgrund des schlechten Wetters haben wir den gesamten Sonntag zu Hause verbracht, ich habe Tagebuch geschrieben und es ist nicht so besonders viel passiert. Abends haben wir mit Anna und Michiko noch „O Homen que copiava“ geschaut, ein genialer brasilianischer Studentenfilm. „Der Mann, der kopierte“ arbeitet in einem Copyshop, und verliebt sich in ein Mädchen, dass er aus seinem Haus beobachtet. Sie arbeitet in einem Bekleidungsgeschäft, und um mit ihr ins Gespräch zu kommen, versucht er ein Kleidungsstück bei ihr kaufen. Das Geld hat er nicht, aber eines Tages schleppt sein Chef einen Farbkopierer an, mit dem sich wunderbar selbst Geld herstellen lässt. Der Rest ist eine schöne Liebes- und Abenteuergeschichte im Sinne von Amélie.


Untertitel: Das Leben ist echt, der Rest ist Kopie.

Sábado, Setembro 24, 2005

El Divino Club

Das Wetter ließ einen Strandtag nicht zu. Es war zwar nicht regnerisch, aber kalt und bewölkt, so dass Franziska und ich ins Zentrum gefahren sind. Im Kamelodrom haben wir uns nach Gürteln für Franziska und anderen Kleidungsstücken umgeschaut. Auf dem Rückweg waren wir noch im Supermarkt im Beiramar-Shopping, denn Franziska kennt ja die Pizza zum selbst belegen dort noch nicht, also haben wir auch noch dieses Highlight mitgenommen.
Nach einigen Stunden descansar em casa holt uns Leandro ab, denn heute geht es in den El Divino Club, eine große Diskothek kurz vor Canasvieiras. Zwei weitere Freunde von ihm, Patrick und Pedro, fahren mit und Marcela treffen wir dort. Leandro hat die Karten schon im Vorverkauf gekauft, 15 R$, geht eigentlich. Allerdings werden weitere 10 Reais fällig als Parkgebühr. Wahrscheinlich für die nachfolgenden Aufräumarbeiten auf der riesengroßen Parkfläche, denn wie üblich sind viele verzogene Blagen reicher Eltern anwesend, die Parkplatzsaufen veranstalten und die Bierdosen rauskicken.
Im Club sind die Getränke dann auch entsprechend teuer (Caipirinha 8R$), aber trotzdem vale a pena (lohnt es sich): Viele Leute, eine richtig gute Pagode-Band, die draußen spielt und Swing Maneiro heißt, eine Creperia, und drinnen halt ein Technoschuppen mit Gogo-Girls. Omnipräsent sind die Sicherheitsleute, die überall auf Podesten stehen. Das ist ausnahmsweise mal notwendig, denn immer wieder kommt es zu kleinen Prügeleien zwischen „krassen“ Brasilianern, Generation Doofenkappe und Silberkettchen.
Auf der Rückfahrt halten wir in Santa Mônica an, und essen noch einen wirklich guten Cachorro Quente (heißer Hund – brasilianisches Portugiesisch ist angeblich die einzige Sprache, die Hot Dog übersetzt).

Sexta-feira, Setembro 23, 2005

Firmenbesichtigung bei LABelectron

Über den Kontakt von Prof. Schneider, der über das Institut der Wirtschaft Thüringens (IWT) Entwicklungsbeziehungen nach Brasilien hält, sind wir heute von der privaten brasilianischen Forschungsstiftung CERTI (etwa wie das Fraunhofer-Institut in Deutschland) zu einer Firmenbesichtigung einer Produktionsanlage für Halbleiterplatten eingeladen.
Das ganze nennt sich LABelectron und befindet sich auf der Kontinentseite von Florianópolis. Dort angekommen, erklären uns Ingenieur Mario und Innovationsdirektor Günther Pfeiffer, halb auf Deutsch, halb auf Portugiesisch, die Geschichte von CERTI und des LABelectron: CERTI wurde brasilienweit bekannt als der Entwickler der elektronischen Wahlurne. In Brasilien herrscht Wahlpflicht, und zur Vorbeugung von Korruption und Wahlbetrug werden Wahlen schon seit vielen Jahren an einem elektronischen System durchgeführt. Diese elektronischen Wahlurnen müssen auch das letzte Indio-Völkchen im Urwald erreichen, auf Pferden durch Flüsse transportiert werden, mit Batterien arbeiten, wo es keinen Strom gibt, kurz: widrige Bedingungen aushalten, wie wir sie ja nun aus dem Pantanal kennen.
Seit einigen Jahren widmet man sich Untersuchungen im Bereich Klein- und Mittelserienproduktion bei der Fertigung von Technologiekomponenten. Man spezialisiert sich auf Platinenbestückmaschinen, wo der Unterschied zwischen Zykluszeit und Maschinenrüstzeit besonders krass ausfällt, und Kleinserien zunächst wenig sinnvoll erscheinen. Aus Deutschland hatte Günther Pfeiffer Eindrücke aus der Uni Magdeburg mitgenommen, wo jedoch die teuren Maschinen nur zu Testzwecken mal einzelne Serien durchliefen, damit jedoch nur zu etwa 25% ausgelastet waren und somit häufig ungenutzt herumstanden. Etwa zur gleichen Zeit schließt die Firma Alcatel in Brasilien eine Produktionsanlage, da sie ihre Produkte nur noch fremdfertigen lässt. So kommt man auf die Idee, die noch recht neuen Anlagen von Alcatel im Standort Florianópolis wieder aufzubauen, das LABelectron wird geboren. Als dritten Partner gewinnt man die auf Platinenfertigung spezialisierte Firma Megaflex Sul aus São Paulo, die 75% der Produktionskapazität für ihren wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb nutzt, während nur 25% für reine Forschungs- und Schulungstätigkeiten zur Verfügung stehen.


Aufbau des LABelectron

Die Mitarbeiter werden jedoch zu 100% von Megaflex gestellt. Erkenntnisse aus der Produktionsdatenerfassung während der Serienproduktion stehen jedoch stets auch für Forschungszwecke zur Verfügung, „die Probleme treten halt im Stress der Serienproduktion auf, wenn schnelles Umrüsten erforderlich ist. Da hilft es auch in der Forschung wenig, nur eine Serie zu fahren!“ erläutert Herr Pfeiffer.
Dann verteilt Mario einige Antistatikbänder, die wir an unsere Schuhe heften, und hinein geht es in die Produktionsanlage. Zunächst gibt es eine Maschine zur Prototypenproduktion von Platinen, insbesondere zum Fräsen von Platinenschablonen. Zwei weitere Linien enthalten Bestückmaschinen unterschiedlicher Generationen: eine Maschine arbeitet mit der PTH-Methode (Plated through Hole), wo die Füßchen der Komponenten durch Platinenbohrungen hindurch gesteckt und auf der Rückseite verlötet werden. Eine weitere, neuere Bestückungsmaschine arbeitet mit der Surface Mounting Technology (SMT), hier werden die Bauteile direkt auf den Lötbahnen der Platine montiert.
Nach der Führung durch die Produktion, Günter Pfeiffer hat schon mehrmals von Portugiesisch auf Deutsch gewechselt, und umgekehrt, heißt es dann: „Vamos tomar um Café!“ Apropos Kaffee, da taut er auf. Denn Kaffee war in den achtziger Jahren der Grund für eine enge Forschungszusammenarbeit zwischen Brasilien und der DDR. Alles lief über Tauschgeschäfte, denn beiden Ländern fehlte es an konvertierbaren Währungen. Brasilien lieferte Kaffee, und die DDR optoelektronische Geräte von Carl Zeiss Jena. Und einen regen wissenschaftlichen Austausch habe es gegeben, insbesondere von Doktoranden und Habilitanden. „O Höhne ficou anos“ – Unser heutige Prof. Höhne blieb über Jahre, wahrscheinlich die angenehmste Art, sich dem DDR-Regime zu entziehen. „Und da gab es noch ein Technikum in Suhl, mit einem Herrn Linß.“ Und Prof. Schneider? Den habe er erst in letzter Zeit kennen gelernt, als dieser schon als Direktor des IWT war. Santa Catarina und Thüringen verbinde schließlich viel, meint Herr Pfeiffer: Viel Wald, Holzindustrie und neue Technologien.
Wir verabschieden uns mit vielen neuen Eindrücken aus dem Labelectron, die übrigens durchaus an Praktikanten, hauptsächlich aus dem Bereich Schaltungstechnik, interessiert sind.
Als wir nach Hause kommen, ist der Kühlschrank von der Wand abgerückt worden. Nach erster Untersuchung stellt sich heraus, dass jedoch kein technischer Defekt vorliegt, und der Kühlschrank einwandfrei funktioniert. Des Rätsels Lösung: Gastbruder Eduardo hat mal wieder seinen Schlüssel verloren, und wurde in der Wohnung eingesperrt. Hinter dem Kühlschrank befindet sich eine weitere Tür auf den Flur (man könnte die Wohnung offenbar in zwei Wohnungen teilen), durch die er raus ist. Seltsam.
Abends ist noch der letzte Vortrag der Semana da Produção. Franziska macht descansar, aber ich will mir den Vortrag von Petrobras, immerhin Brasiliens größtes Unternehmen, nicht entgehen lassen. Leider verfügt die Vortragende noch nicht über besonders viel Redeerfahrung, so dass ich 20 Minuten später draußen mit einigen Studenten zum Labern stehe.
Danach wollten wir dann eigentlich bei Forsti und Steve im Strandhaus Grillen. Das haben die anderen dann auch gemacht, ich war allerdings zu müde und bin zu Hause geblieben.

Quinta-feira, Setembro 22, 2005

Konversation und Republica

Nachdem wir gestern zur Deutsch-Konversation in der Verdilha waren, treffen wir uns heute mit Fábio, Leandro, Marcela und Carla in der Gartenbaumensa, die nicht bestreikt wird, dafür etwas außerhalb in Itacorubi liegt. Hier gibt es Buffet mit Salat für 3,70 Reais (nach dem letzten Kurseinbruch des Euros 1,35 Euro, im April wären es nur 1,05 Euro gewesen). Beim Mittagessen ein bisschen Deutsch zu sprechen bringt richtig viel für die vier, und auch wir lernen etwas über Brasilien: Als ich erkläre, dass man in Deutschland gefahrlos Trinkwasser aus dem Wasserhahn trinken könne, erklären mir Fábio und Leandro, dass in Brasilien das Wassser kostenlos sei, und man allein für die Aufbereitung zahle. Eine Wasseruhr heißt übrigens rélogio de água, sehr genial…


Franziska, Marcela, Carla, Stefan, MMG, Fábio und Leandro

Abends gehen wir nicht in den Vortrag der Semana da Produção, da Franziska mit Kochen dran ist und einen Reis-Rührei-Soja-Topf zaubert. Aber abends treffen wir Leandro und Carla noch auf einer Studentenparty in der Republica. Irgendein Kumpel feiert Geburtstag, und Studenten haben freien Eintritt. Zwei Kumpel von Steve sind auf Besuch in Brasilien, Marcel und Kiste, und sind natürlich auch mit dabei.


In der Republica-Bar: MMG, Carla, Franziska, Patricia, Markus

Quarta-feira, Setembro 21, 2005

Bewerbungen und Mini-Inova

Nach der Vorlesung Engenharia de Software habe ich im Copyshop die Bewerbungen der Unibral-Kandidaten jeweils fünf Mal ausdrucken lassen, denn heute Abend steht einer der Höhepunkte der Semana da Produção an: Firmenvorträge und Einstiegsmöglichkeiten als Praktikant. Während des Ausdruckens schneie ich noch bei Profa. Leila im Büro vorbei, die sich wenig Hoffnung mit den Bewerbungen macht: „Es läuft doch eh alles über Kontakte.“
Abends gibt es dann die Vorträge, den Anfang macht der Lebensmittelhersteller Bunge, danach kommt der Hausgerätehersteller Multibras sowie der Kompressorenhersteller Embraco. Embraco liefert die Kompressoren für Multbras-Kühlschränke, und produziert in Joinville ungelogen einen Kompressor pro Sekunde. Da kann Intelbras, der Telefonhersteller, den ich einmal mit Hélvio besichtigt habe, natürlich nicht ganz mithalten, aber Personalchefin Valdirene ist bestens gelaunt: „Bei den ganzen Unternehmen können wir natürlich nicht mithalten. Aber wir liegen fast am Strand, nach Feierabend nehmt ihr den Firmenbus nach Lagoa de Conceição, und dann ab aufs Surfbrett!“. Applaus. Der Inhalt der Unternehmensvorstellung geht dann fast in brasilianischen Surfträumen von besserem Wetter unter. Den letzten Vortrag hält ein Vertreter des Volkswagenwerkes im Bundesstaat São Paulo, der über das internationale VW-Traineeprogramm berichtet: „Ihr braucht Top-Englischkenntnisse, nur dann habt Ihr die Chance, während Eurer Laufbahn auch in Deutschland eingesetzt werden zu können!“
Am Ende drücken Franziska und ich den Firmenvertretern die ausgedruckten Bewerbungen der neuen Kandidaten in die Hand, sammeln fleißig einige Visitenkarten, und hoffen auf positive Reaktionen…

Terça-feira, Setembro 20, 2005

Urheber-was?

Wir gehen probehalber noch mal frühs in die Vorlesung für Industrierobotertechnik, aber Prof. Raul lässt sich wie erwartet nicht blicken. Immer noch im Streik. Danach treffe ich mich mit Vilson, dem Deutschlehrer. Er gibt an einigen Wochenenden einen Deutschkurs für Autodidakten, die sich unregelmäßig zur Konversation treffen. Er hatte mich letztens schon einmal eingeladen, und da konnte ich nicht, dieses Mal werde ich aber mitkommen. Es wird am kommenden Wochenende un Santa Rosa da Lima, im Hinterland von Santa Catarina stattfinden. So bereiten wir während des Tandemkurses noch ein paar Deutschaulas vor, u.a. wollen wir auch einen Film zeigen. Vilson zeigt mir einen Raum im Sprachenzentrum, wo es etwa 50 neue deutsche Filme der letzten Jahre gibt, von Sonnenallee über Lola rennt bis (T)raumschiff Surprise. Alles auf DVD gebrannt. „Urheber-was? Wir sind hier in Brasilien!“, sagt er. Die Uni beschäftigt eine Person, die vor einem PC mit DVD-Brenner sitzt. Man bringt einen Rohling mit und bis zum nächsten Tag ist eine DVD-Kopie gebrannt.
In PCP geht es heute um optimale Losgrößenberechnungen. Die Andler’sche Losgrößenformel nennen sie Lote econômico, und der Professor braucht ziemlich lange, es zu erklären. Er fügt dann noch hinzu: „Brasilien ist ein großes Land, Lagerkosten sind hier billig. Das ist aber alles in Japan entwickelt worden, weil die dort keinen Platz haben“.
Bei der Semana da Produção ist im heute der Chef eines Hafens in Paraná erkrankt, der eigentlich einen Vortrag zum Thema „Häfen – Engpässe der Logistikkette“ halten sollte. So hat er eine Mitarbeiterin geschickt, die allerdings Psychologin ist und etwas zu einem anderen Thema erzählt hat. Wir sind dann wie viele andere Brasilianer auch relativ schnell gegangen…

Segunda-feira, Setembro 19, 2005

Semana da Produção

Ich konnte nicht so besonders gut schlafen im Bus, dennoch bin ich entgegen aller Erwartungen nicht soo sehr kaputt. So kann ich mir zunächst das Wahlergebnis der Bundestagswahl vor Augen führen, und endlich habe ich mal wieder mit „Monitora vai embora“-Vera in Leipzig telefoniert. Abends beginnt die Semana da Produção, die vom SWING-ähnlichen Studentenverein PET Produção veranstaltet wird. Es gibt eine Woche Firmenvorträge, Fallstudien, Mittwoch gibt es Rekrutierungsveranstaltungen verschiedener Firmen – wir sind gespannt.



Fábio als Organisationschef eröffnet und bedankt sich bei Sponsoren, Vortragenden und der UFSC, und los geht’s mit dem ersten Vortrag: „Estrategias na implantação de novos produtos“ (Strategien bei der Einführung neuer Produkte), gehalten von niemandem geringeren als Celso Placeres, dem Chef des größten VW-Werkes in Brasilien, welches in Anchieta im Bundesstaat São Paulo liegt. Dort werden neben den Volumenmodellen Gol, Santana und Parati auch noch der Uralt-VW-Bus aus den Siebzigern und der Polo gebaut. „Den Polo in Brasilien zu bauen, war eine strategische Fehlentscheidung. Ein viel zu teuer ausgestattetes Auto.“


Der Kombi wird auf der brasilianischen VW-Internetseite noch beworben.

Der Vortrag ist unheimlich gut, die PowerPoint-Präsentation enthält viele englische, wenige portugiesische und ein paar deutsche Folien. Er zeigt auch das Video eines Crash-Tests, und lacht: „Die Deutschen müssen ein Auto erst vor die Wand jagen, um zu kontrollieren, dass es gut ist.“ Und um die Qualität der Herstellertests zu überprüfen, gebe es in Deutschland zusätzlich noch die Crash-Tests der Revistas, der Automagazine. „Der Gol hat drei Sterne von fünf möglichen, das ist die Mindestzahl, um ein Auto in Deutschland auf dem Markt zulassen zu dürfen.“

Domingo, Setembro 18, 2005

Brasilianische Seite und Vogelpark

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Laura und entscheiden, unser Gepäck komplett mitzunehmen, so viel ist es nicht. Mit dem Stadtbus geht es zur brasilianischen Seite der Wasserfälle. Am Eingang gibt es etwas Stress, und wir müssen viel diskutieren, bis wir zum Eintrittspreis für Brasilianer (12,80 R$) statt für Ausländer (18 R$) hereinkommen. Eigentlich wäre wohl mindestens ein permanentes Visum notwendig, aber die brasilianische Bürokratie hat sich dann doch zu einem Jeito erweichen lassen.
So überraschend ist das ja bekanntlich von der brasilianischen Seite nicht, wenngleich natürlich auch hier viel mehr Wasser fließt, und der Steg auf halber Höhe nur mit Regenjacken betretbar ist.


Die Größe der Wassserfälle, hier etwa ein Viertel, ist auf einem Foto eh nicht zu erfassen.


Auf diesem Steg wanderten wir zu Ostern bei niedrigem Wasserstand im T-Shirt und kurzer Hose.


Spezieller Freund

Danach fahren wir noch in den Vogelpark, einer der Vögel im Freigelände hat ein Faible für Franziskas Rucksackgriff, und knabbert sich nach einem Ausflug auf ihre Schulter daran fest.
Nach einer Station in einem Supermarkt (zur Vorbereitung der 15-stündigen Busfahrt zurück) geht es wieder Richtung Rodoviária.

Sábado, Setembro 17, 2005

Argentinische Seite


Am Dreiländereck waren wir natürlich auch (wieder).

Wir fahren wieder mit dem Kleinbus, mit dem wir schon zu Ostern in Argentinien waren, los. Allerdings hat der Reiseführer gewechselt, so dass jetzt ein deutlich jüngerer Kollege von der Partie ist. Wir müssen ihm erklären, dass wir als Quasi-Brasilianer Rabatt bekommen, und er bekommt es tatsächlich hin. Neben Franziska fahren noch ein paar Engländer mit, die zum Teil auch bei Laura untergekommen sind. Diese machen mit dem Führer alle die teure Bootstour mit, während wir uns zu Fuß auf Erkundung begeben. Da es noch ziemlich früh ist, und sich noch keine langen Schlangen am Bahnhof zum Teufelsrachen gebildet haben, fahren wir dort erst einmal hin. Das war dann auch die bessere Entscheidung, denn der Fußweg ist noch beinahe überspült. Auch der Steg zum Teufelsrachen ist beinahe überflutet und war bis gestern noch gesperrt. Es ist Regenzeit, die Wassermenge hier ist ziemlich unterschiedlich zum letzten Mal: Waren früher viele Inseln im Wasser, ist heute alles ein reißender Schlammstrom. Zurück auf der zu erwandernden Seite, ist heute die Insel gesperrt, und der Strand, an dem sonst die Boote anlandeten, ist vollkommen überflutet. Somit ist auch der Bootsverkehr eingestellt. Alle Teile der Fälle, die zu Ostern trocken lagen, sind jetzt wasserumspült, ein ganz anderer Eindruck von den Fällen.



Der neue Führer ist offenbar, was Zeiten angeht, auch noch nicht wirklich erfahren (oder einfach unpünktlich). Wir hatten uns für halb sechs wieder am Ausgang verabredet. Wäre der Motorista des Busses nicht gekommen, wären wir sicherlich mit einem öffentlichen Bus zurückgefahren, denn der Führer kam mit der Bootstruppe eine Stunde verspätet zurück. „Die Flut“, sagt er. Als ob die nicht gestern auch schon da gewesen wäre.
Das Positive: Beim Warten mit dem Motorista empfiehlt er uns ein Restaurant in Foz, wo es ein Suppenbuffet gibt. Genau das Richtige, und auf dem Weg dorthin finden wir außerdem noch eine Eisdiele, so dass das Dessert vor dem Hauptgang eingenommen wurde. Das Suppenbuffet war aber auch gut, außerdem gab es Reis mit Geschnetzeltem dazu.

Sexta-feira, Setembro 16, 2005

Wasserkraftwerk Itaipú

Mit zweistündiger Verspätung kommt der Bus in Foz an, und wir begeben uns zunächst einmal in die Pousada da Laura, die wir ja schon von unserem Osterurlaub kennen. Nach einer Stunde descansar sind wir zum Wasserkraftwerk in Itaipú aufgebrochen, wo ich vorher eine technische Führung für Ingenieurstudenten bestellt hatte. Also nahmen wir nicht den großen Touri-Bus, sondern einen klimatisierten Kleinbus, der uns zum Staudamm brachte. Dort erklärte uns die Führerin einmal die technischen Dimensionen: Stahl von 400 Eiffeltürmen, Beton von 15 Eurotunneln, Staudammhöhe 196 m und –länge knapp acht Kilometer. Der dahinter liegende Stausee fasst 29 Millionen Kubikmeter Wasser bei einer Wasserfläche von etwa 1400 km². Der Stausee speist die 18 Turbinen, jede von ihnen wird über ein 10,5 m dickes Fallrohr, welches einen Höhenunterschied von 120m überwindet. Zurzeit werden zwei weitere Turbinen installiert, die einspringen sollen, während andere Turbinen gewartet werden.


VW Bulli im Gößenvergleich zu einem Fallrohr


Bauarbeiten im Kraftwerk für Turbine 20

Die Gesamtleistung von 12,6 Gigawatt (oder 108 Terawattstunden im Jahr) entspricht etwa 2/3 der Leistung aller deutschen Atomkraftwerke zusammen (habe ich gerade durch Wikipedia-Recherche ausgerechnet). Die eine Hälfte der Turbinen erzeugt den Strom mit 50 Hz für Paraguay, die andere Hälfte mit 60 Hz für Brasilien. Tja, und damit erzeugen sie 90% der Leistungsaufnahmen Paraguays, und 25% des brasilianischen Energiebedarfs. Aufgrund des binationalen Vertrages kann jedes Land überschüssige Energie an das Partnerland verkaufen. „In der Realität sieht es dann so aus, dass eine Turbine bereits den Energiebedarf Paraguays erzeugt, und Paraguay dann die erzeugte Energie der übrigen acht Turbinen nach Brasilien verkauft.“, merkt die Führerin an.
Wir können ins Kraftwerk hineinsteigen, aber viel zu sehen gibt es nicht, und sooo interessant ist die technische Führung dann leider nicht, außer dass alles wirklich riesengroß ist.
Zurück in Foz, wollten wir eigentlich mit Steve und Kathrin schön essen gehen, aber Steve und Kathrin geht es nicht gut, nachdem sie gestern in einem schlechten Pizza-Rodízio waren. So packt Franziska die Durchfall- und Übelkeit-Tabletten ein, wir liefern diese in der Krankenstation im San-Remo-Hotel ab und gehen Chinesisch essen. Was übrigens wirklich gut schmeckt.

Quinta-feira, Setembro 15, 2005

Auf dem Weg nach Foz de Iguaçu

Morgens hole ich Markus Ritter im Zentrum aus einer sehr edlen Arztpraxis ab, wo er sich einer Magenspiegelung unterworfen hat. Allein für das Parkhaus hat er 7,50 Reais gezahlt, und als der Parkportier mit dem Monza ankommt, sagt er: „Das Auto verliert Öl!“ Wir machen uns erstmal nichts draus, ich fahre Markus nach Hause und zu Hause bemerken wir das Malheur: Markus hatte morgens wohl auf irgendeinem Lombarda (=schlafendem Polizisten) aufgesetzt, und sich die Ölwanne aufgeschlitzt. Das Auto verliert viel Öl, so dass er noch schnell mit Eduardo in die Werkstatt fährt.
Unterdessen machen Franziska und ich uns nach dem Sprachkurs auf dem Weg nach Foz. Trotz eines nach Hause ins Wochenende fahrendem Kommando von Marinesoldaten schlafe ich überraschend gut auf der gut 15-stündigen Busfahrt.

Quarta-feira, Setembro 14, 2005

Gruppenarbeit in Empreendedorismo

Nach der Vorlesung in Engenharia de Software treffe ich unten vor dem Gebäude tatsächlich auf meinen brasilianischen Kommilitonen Rafael, mit dem ich die Gruppenarbeit machen muss. Ein Weiterer, Mitchell, stößt nachmittags dazu, und die E-Mail-Adresse des vierten Kollegen hat irgendwie bei keinem funktioniert. Wir gehen zu uns nach Hause, suchen im Netz nach Informationen und schaffen es tatsächlich, bis abends eine Präsentation für die Vorlesung auszuarbeiten. Thema: Wir sollen bewerten und untersuchen, ob ein Wassertaxi-Unternehmen in der Region Florianópolis eine sinnvolle Variante einer Unternehmensgründung sein kann. Wo kann man Häfen und Haltestellen einrichten, welche Boote mit welchen Kapazitäten benötigt man? Wie sind die Kosten, Fahrzeiten, und welchen Preis kann man für die Fahrscheine verlangen? Die Brasilianer kennen eigenartigerweise die Kapitalwertmethode nicht, die ich als Kriterium für die Vorteilhaftigkeit einer Investition und deren voraussichtliche Amortisationszeit einsetze.
Bis zur Vorlesung bleibt sogar noch ein wenig Zeit, die ich zum Ticketkauf der Busfahrkarten nach Foz de Iguaçu nutze, und als dann die Gruppenpräsentation stattfindet, sind plötzlich noch zwei Teilnehmer in der Gruppe, die zwar nicht mitgearbeitet haben, aber sich einfach dazustellen.


Klick öffnet die Präsentation

Terça-feira, Setembro 13, 2005

am Wochenende nach Foz?

Franziska hat morgens Halsschmerzen, so dass ich allein testen muss, ob Prof. Raul evtl. seinen Streik beendet haben könnte und in Industrierobotertechnik eine Vorlesung stattfindet. Natürlich nicht. Steve will mit Kathrin, die ja nur fünf Wochen hier ist, ein straffes Besuchsprogramm absolvieren, und am Wochenende nach Foz. Franziska war da ja auch noch nie, also entscheiden wir uns, mitzufahren. Steve wird allerdings einen Tag zeitversetzt vor uns fahren, da er am Sonntag ankommende Kumpel abholen muss.


Das Rektoratsfoyer wird noch fleißig von Streikenden belagert.

Als ich mittags mit Forsti und Franziska kurz bei uns zu Hause vorbeischneie, traue ich meinen Augen nicht: Den Herrn Ritter wähnte ich auf dem Flug ins Pantanal, und nicht in der Wohnung. Er hatte es sich in Curitiba am Flughafen anders überlegt (Bauchschmerzen…), und war zurückgekehrt.
Abends schaffe ich es tatsächlich, mich mit den brasilianischen Kommilitonen für die morgen Abend vorzustellende Gruppenarbeit in Empreendedorismo zu verabreden: Morgen um 10 Uhr geht’s los, abends um 7 soll alles fertig sein. Man darf gespannt sein.

Segunda-feira, Setembro 12, 2005

Rückflug

Um 03:40 Uhr geht der Flug nach São Paulo, so müssen wir die verbleibenden Stunden dösend am Flughafen von Campo Grande verbringen. Aus Langeweile begeben sich die Frauen auf Zeckensuche, und finden bis zu drei Zecken an ihren Körpern. Steve, Christian, Jürgen und ich können nach einer Kontrolle auf dem Herrenklo nichts dergleichen feststellen.
Nach dem Flug müssen wir auch in São Paulo noch einige Stunden verbummeln, hier geht es erst um 9:02 Uhr weiter. Es ist bedeckt, und der Rückflug nach Floripa ist mit vielen Luftlöchern gespickt. Im Landeanflug auf Florianópolis gerät das Flugzeug in ziemliche Turbulenzen und Böen, so dass wir eine harte Landung erleben, und das Flugzeug nur knapp zum Stehen kommt. „Macht der das zum ersten Mal?“ fragt Forsti laut durchs Flugzeug…
Um 11 Uhr kommen wir zu Hause an und legen wir uns hin, und schlafen erst einmal aus. Es passiert eh nichts mehr. Doch! Franziska findet noch eine Zecke, allerdings an meinem Körper. Außerdem ist ein Kumpel von Markus Ritter, Stefan, ist zu Besuch gekommen, und abends bringe ich Markus, Stefan, Takuya, Rika und Michiko zur Rodoviária, sie wollen ins Pantanal.

Domingo, Setembro 11, 2005

Rio da Prata

Da wir zwangsweise heute Abend um 18:00 Uhr mit dem Bus zurück nach Campo Grande fahren müssen, nehmen wir die frühe Tour der Jugendherberge zum Tauchen im Rio da Prata . Um kurz nach sieben steht ein Sprinter vor der Tür, und fährt uns mit unserem Führer Márcio an den eine Stunde entfernten Rio da Prata. Dort wechseln wir auf Neoprenanzüge, Schnorchel und Taucherbrillen, müssen in voller Tauchermontur einen kurzen Fußmarsch durch den Wald absolvieren. Márcio ist ziemlich lustig, und erklärt einige Schoten aus seiner Zeit als Bundespolizist: „Brasilien hat sehr strenge Umweltgesetze: Wenn mich jemand töten würde, würde er sich freikaufen können, korrupte Politiker, ihr wisst wie das ist. Für die Tötung eines Aras oder eines Leguans muss der Schuldige aber mindestens 20 Jahre hinter Gitter…“
Endlich an einer ruhigen Stelle des Flusses angekommen, steigen wir zum ersten Mal ins Wasser – und sind überwältigt von der Schönheit der Unterwasserwelt. Es gibt unterirdische warme Quellen, die den Bach vom Quelltopf an ganzjährig angenehm warm halten. Márcio entdeckt unter Wasser noch ein gut getarntes Krokodil, an dem wir alle vorbeigeschwommen wären, und wir lassen uns etwa eineinhalb Stunden lang mit bunten Fischen durch den Fluss treiben, bis wir am Ausstiegspunkt angelangen.


Der am Ausstiegspunkt wartende Lakaie hatte wahrscheinlich zum ersten Mal einen Fotoapparat in der Hand...

In der Fazenda gibt es dann noch ein üppiges Mittagessen, und auf der Rückfahrt zur Jugendherberge findet Márcio am Straßenrand eine sportliche Radkappe: „Faltam ainda mais três para o meu carro!“, lacht er, als er mit Radkappe wieder einsteigt: Jetzt fehlen nur noch drei weitere für sein Auto. Scherzkeks.
Zurück in der Jugendherberge nutzen wir kurz das dortige Internetcafé, und ich kann meinem Vater wenigstens per Mail zum Geburtstag gratulieren, für Skype mangelt es an Headsets. Bei warmen Kakao aus der Küche vergeht eine weitere Stunde bis zur Abfahrt des Busses nach Campo Grande wie im Fluge, und auf der Busfahrt schlafe ich die meiste Zeit.


Rodoviária von Bonito: Geteerte Straßen, was ist das?

Spät abends kommen wir in Campo Grande an der Rodoviária an, bleiben noch auf ein paar leckere Säfte in einer Lanchonete hängen, bevor wir mit dem letzten Bus zum Flughafen herausfahren.

Sábado, Setembro 10, 2005

Weiterfahrt nach Bonito

Wieder stehen wir mit der Dämmerung auf, und Pepino verspricht uns eine kurze Frühwanderung, auf der wir Gürteltieren und Emus begegnen. Als Höhepunkt gehen wir zu einem Teich mit Krokodilen, und alle dürfen am harten Panzer streicheln. Die Tiere sind morgens aufgrund der kalten Temperaturen nur wenig aktiv, und nicht gefährlich, sagt zumindest Pepino.


Ein Gürteltier auf der Flucht


Franziska und das Krokodil


Unsere Herberge für zwei Nächte


Franziskas bester Freund, der Papagei

Nach der Wanderung lege ich mich noch einmal schlafen, während die anderen noch an Kettchen basteln. Mittags springen wir auf einen Jeep, der uns, ausgestattet mit einem besseren Fahrer, deutlich schneller aus dem Camp herausfährt. „Dieser Jeep hat einen guten Motorista“, behauptet Pepino, „meinen Vater!“. In Buraco das Piranhas kommen wir um 15 Uhr wieder in der Zivilisation mit asphaltierten Straßen an, und klettern eine halbe Stunde später in einen kleinen Bus nach Bonito. Nach weiteren fünf Stunden Fahrt (davon 2,5 Stunden über eine Erdstraße) kommen wir in Bonito an, und lassen uns von zwei Jungs aus der Jungendherberge ansprechen, die jeden Tag auf Rucksacktouristen aus dem Pantanal warten. Pantanal und Bonito, das gehört ja auch quasi zusammen. Im VW Bulli werden wir zur Jugendherberge gebracht, die sehr luxuriös ausgestattet ist, aber trotzdem nur 20 Reais die Nacht kostet. Nach drei Tagen Zeltlager im Pantanal ist ein Swimming Pool eine sehr willkommene Erfrischung…
Steve und ich organisieren über die Jugendherberge noch den morgigen Ausflug, es geht zum Tauchen in den Rio da Prata.


Auf dem Weg zurück in die Zivilisation überquert der Jeep den Rio Miranda

Sexta-feira, Setembro 09, 2005

Ganztagswanderung

Wie immer stehen wir mit der Morgendämmerung auf, und direkt nach dem Frühstück nimmt uns Pepino mit auf eine ganztägige Wanderung durchs Pantanal. An Seen und Flüssen vorbei, durch den Urwald und die Savanne, durch Treibsand und große Hitze.


Aufbruch aus dem Camp


durch die Savanne


an Flussläufen entlang


Herr Forst im Forst (während Pepino Affengeräusche imitiert)

Das Einzige, was Pepino und wir übrigens mitgenommen haben, sind neben viel Wasser ein paar Orangen, Ananas sowie Angelschnur, Angelhaken und etwas Fleischköder. Und Pepinos Buschmesser, mit dem er uns den Weg freiräumt und sich den Schorf zwischen den Zehen abkratzt – er legt ja bekanntlich alles barfuß zurück. Über uns fliegen in freier Wildbahn Araras, Papageien, und natürlich Tuiuiús. Nach vier Stunden Fußmarsch durch die Hitze bin ich zur Mittagspause bereits so kaputt, dass ich mich in einem nahe gelegenen Fluss nur abkühle, während Pepino aus Ästen ein paar Angeln bastelt.


Pause

Ich lege mich aber dann in den Schatten, während alle bei mir einen Sonnenstich diagnostizieren wollen, Piranhas aus dem Teich fischen und mich mit vitaminreichen Ananasstückchen versorgen. Pepino hat unterdessen aus einer Frucht mit einer harten Schale einen Topf geschnitzt, ein Lagerfeuer entzündet und brutzelt die ersten gefangenen Piranhas darin.
Nach dem Mittagessen und einer Siesta für alle bietet Pepino an, wir könnten ja einen kürzeren Weg zurücklaufen, der nur etwa 1,5 Stunden dauern würde. Dazu müssten wir allerdings zwei Mal den knietiefen Fluss passieren. „Und die Alligatoren?“ fragen wir. „Die verscheuchen wir mit Stöckern, kein Problem…“ So sollte es dann geschehen, dass wir in einer langen Schlange durch den ruhigen Fluss gewatet sind.


Schuhe aus und rein in die Grütze

Abends fand noch eine Nachtwanderung statt, aber ohne mich, ich war schon am Schlafen, und die ganz Besorgten behaupteten, ich hätte ein wenig Fieber.

Quinta-feira, Setembro 08, 2005

Bootsausflug mit Piranhas und Jacarés


Über diese Erdstraße ging es drei Stunden mit dem Jeep zu unserem Hotel.

Als wir morgens um halb sieben vom Frühstück kommen, und ich die ersten Fotos des Camps mache, wird mir klar, dass wir wirklich mitten im Nirgendwo sind. Aber das Camp liegt am Ufer des Rio Paraguay, und wenig später sitzen wir auf einem kleinen Kahn mit Außenborder, auf dem Pepino und ein anderer Guia uns über den Fluss chauffieren. Ihre Augen sehen und entdecken mehr als wir ausmachen können: einen perfekt getarnten Leguan, der auf Blattwerk derselben Farbe sitzt, entdecken sie schon, als wir gerade sehen, dass dort ein Baum steht. Am Ufer begegnen uns die allgegenwärtigen Capivaris – Wasserschweine. Wir biegen in einen Nebenfluss ein, und immer wenn sich das Boot den am Ufer liegenden Kaimankrokodilen nähert, lassen sich diese gemächlich ins Wasser gleiten. Einmal legten wir an einer Sandbank an, welche mit Krokodilen (oder Jacarés, wie sie hier genannt werden) voll besetzt war. Der Bootskapitän warf einen kleinen Fisch vor einem der Reptile auf den Boden, welches sich allerdings noch nicht in der Wach- oder Essensphase befand. Also musste das Krokodil erst mit einem Stock verscheucht werden, der Bootsführer stieg überraschend aus dem Boot und holte seinen wertvollen Fisch zurück. An einer anderen Stelle, längst hatten wir eine Otterfamilie und ein brütendes Tuiuiú-Pärchen passiert, ging es wieder zu den Krokodilen: Pepino hat die Angel in den Fluss geworfen, und innerhalb weniger Sekunden einen kleinen Piranha zutage gefördert. Diesen galt es jetzt an die noch etwas trägen Jacarés auf der nächsten Sandbank zu verfüttern. Wie Chips knackte das Krokodil den Piranha durch das Maul.


Leguan


Tuiuiú


Das Pantanal beherbergt ca. 32 Mio. Krokodile


Krokodile und Anacondas streiten um die Spitzenposition in der Nahrungskette. Piranhas stehen definitiv darunter.


Anacondas fressen schon mal ganze Wasserschweine.

Nachdem wir noch Baden waren (zugegeben, hier war Steve der einzige Wagemutige, der sich mit dem Bootsführer in den mit Piranhas und Krokodilen gespickten Fluss wagte) ging es dann zurück. Pepino erklärt noch etwas zum Tuiuiú: Er gehört zur Familie der Storche und bildet das Wappentier des Pantanals. Die bis zu 1,5m großen Vögel mit ihrer Flügelspannweite von knapp drei Metern gehören zu den größten flugfähigen Vögeln Südamerikas. Männchen und Weibchen bleiben ihr Leben lang zusammen, stirbt der Partner, bleibt das verwitwete Tier allein. In einem alten Baumgerippe ziehen sie in einem Nest ihren Nachwuchs heran, ein Elterntier bewacht das Nest mit Argusaugen.
Zurück auf dem Rio Paraguay begegnen wir noch einigen Hobbyfischern, die uns ihre dicken Fische präsentieren, und nach der Ankunft an der Lodge heißt es dann zunächst einmal Siesta.
Danach will Pepino mit uns Reiten gehen. Die bereitgestellten Pferde stammen allerdings von einem Drittanbieter, und Pepino stellt nach etwa 10minütiger Musterung der Tiere und des Reitgeschirrs fest: schlecht gepflegte Tiere, zu gefährlich, sorry. So traurig waren dann weder er noch wir, dass das mit dem Reitausflug nichts wurde, und Pepino hat dann ein paar Angeln organisiert, zehn Minuten später waren wir, bewaffnet mit kleinen Fleischködern, auf dem Weg zum Fluss, um dort ein paar Piranhas zu fischen.


Seit zwei Tagen in Brasilien, und schon den ersten dicken Fisch an der Angel: Katrhin


Naja, Steve kann's auch nicht besser.

Auch wenn wir bis zu den Knien im Schlamm standen, und der Fluss wahrscheinlich von Raubfischen wimmelte, war unsere Ausbeute eher erbärmlich: Nur Steve, Kathrin und Jürgen gelang es, jeweils einen Piranha aus dem Strom zu fischen, während Pepino einen Piranha nach dem anderen herauszog. Bei mir erinnerte das ganze eher an eine Raubtierfütterung, die Piranhas waren zu intelligent für den ungeübten Angler und fraßen die Köder ab, bevor ich an der Rute ziehen konnte. Nüchterne Bilanz des Nachmittags: insgesamt dürften wir alle mehr Fleisch investiert haben als Fisch gewonnen haben.
Zeit, die Sachen zu packen und uns mit Pepino auf den nächsten Jeep zu stürzen, der uns etwa eine halbe Autostunde zurück an eine Kreuzung mit kleinem Kiosk bringt. Die nächsten beiden Nächte werden wir in einem Camp der Jugendherberge verbringen, welches am Rio Negro und noch weiter im Pantanal liegt. Vom Kiosk fahren wir mit einem anderen Jeep dorthin, bleiben aber zuvor einige Male im Treibsand stecken, so dass uns ein zweiter Jeep (der über einen funktionierenden Allradantrieb verfügte) herausziehen musste. „Precisa-se de um bom motorista“, sagt Pepino achselschüttelnd über die nach seiner Ansicht mangelnden Fähigkeiten des Jeepfahrers. Angekommen im Camp, beziehen wir unsere Hängematten, die uns in den nächsten Tagen als Schlafquartier dienen werden. Entgegen aller Befürchtungen hat sich auch Kollege Forsti in die Wildnis durchgeschlagen, der von seinem Besuch bei der Dschungelhochzeit und seinem bereits absolvierten Aufenthalt in Bonito berichtet.

Quarta-feira, Setembro 07, 2005

Am brasilianischen Nationalfeiertag auf dem Weg ins Pantanal

Ich wache auf, als der Nachtdirektbus in die Rodoviária von Curitiba einbiegt, 5:35 Uhr. Bis kurz nach sechs müssen wir in einem der weltbekannten Glasschläuche auf einen Stadtbus warten, der uns zum Flughafen rausfahren soll, als ein lautes geröllartiges Krachen die Stille unter den morgendlichen Pendlern unterbricht. „Parece um caminhão que bateu à ponte“, sagt die Ticketverkäuferin der Bushaltestelle: Hört sich an wie ein LKW, der gegen die Brücke gefahren ist. Keiner glaubt ihr. Aber sie muss es ja wissen, denn sie arbeitet ja jeden Tag dort. Und als wir im Bus sitzen, und der Bus um zwei Ecken gebogen ist, fährt unter einer alten Eisenbahnbrücke gerade ein LKW an, dessen Aufbau diagonal abgeknickt ist und somit quer über der Straße hängt. Wohlgemerkt: Er fährt weiter. Die Augenblicke, in denen der Fotoapparat natürlich tief unten im Rucksack liegt…
Auf dem Flughafen von Curitiba frühstücken wir in einer Lanchonete, während wir auf den Flug nach São Paulo warten. Dort treffen wir auf dem im Nebel liegenden Inlandsflughafen Congonhas auf Steve und seine Freundin Kathrin, die gestern aus Deutschland gelandet ist. Mit ihnen geht zusammen geht es weiter nach Campo Grande, die Hauptstadt des Bundesstaates Mato Grosso do Sul (südlicher großer Wald). Am Flughafen von Campo Grande erwarten uns mittags zwei Jungs von der Jugendherberge: „Wollt ihr noch eine Nacht hier in der Jugendherberge verbringen, oder heute schon ins Pantanal aufbrechen?“ Wir wollen natürlich keinen Tag verschenken, kaufen uns in Campo Grande noch Hüte, Taschenlampen und Wasser, und schon wenig später sitzen wir im Sprinter der Jugendherberge, der uns ins drei Autostunden (etwa 250 km) entfernte Buraco dos Piranhas bringt. Zwischen Campo Grande und Buraco dos Piranhas gibt es etwa fünf Ortschaften. In Buraco dos Piranhas, auf jeder Landkarte eingezeichnet, gibt es ein Forstamt, einen Kiosk sowie einen Richtfunkmasten. Mehr nicht. Aber von hier aus führt eine Erdstraße ins Pantanal.


Sonnenuntergang über den letzen Hügeln vor der Pantanal-Ebene


Nach fünf Minuten von drei Stunden Fahrzeit auf der Ladefläche sehen Jürgen, Franziska, Steve, Kathrin und Rebecca noch nicht so sehr durchgeschüttelt aus.

Ein Jeep wartet bereits auf uns, es wird dunkel, und auf der Ladefläche fahren wir weitere drei Stunden immerhin 60 Kilometer weit ins Pantanal. Auf diesen 60 Kilometern fahren wir durch einen Ort, eine weitere „Siedlung“ aus drei Häusern, an ca. 10 Bauernhofzufahrten vorbei – ansonsten: Nichts. Angekommen auf der einfach eingerichteten Lodge der Jugendherberge begrüßt uns Pepino, und stellt sich als unser Führer für die kommenden drei Tage vor. Es gibt ein einfaches Abendessen, danach wird der Generator ausgeschaltet und es geht ab ins Bett. Wir müssen die Helligkeit nutzen für Ausflüge, sagt Pepino, und morgen um sechs Uhr wird es hell.

Terça-feira, Setembro 06, 2005

Letzte Pantanalvorbereitungen

Bei Prof. Raul waren wir heute die einzigen im Raum, also hatten sie sich offenbar bereits am Ende der letzten Stunde darauf geeinigt, die heutige Veranstaltung sausen zu lassen.
Wieder zu Hause kam ein Brief der Stadt Georgsmarienhütte: Meine beantragten Wahlunterlagen für die Bundestagswahl. Schnell zwei Kreuze gemacht, und dann wieder ab die Post. Per Luftpost 1,36 Reais, oder per Einschreiben-Express 65 Reais? Normale Luftpost sollte allemal ausreichen, meine Stimme ist mir definitiv keine 25 Euro wert!
Forsti hat aus Bonito noch Pantanalinfos gemailt, und wir entscheiden uns für den Reiseveranstalter Ecological Expeditions der Jugendherberge aus Campo Grande. An der Uni finden alle anderen Veranstaltungen heute wie gewohnt statt, nur z.B. an der „Buchstabenfakultät“ (Faculdade de Letras, heißt Sprachen etc.) wird natürlich heftigst gestreikt. Auf dem Weg zur PCP-Vorlesung begegnen uns dann auch streikende Studenten anderer Fakultäten, die für die Wiedereröffnung der Mensa streiken. „Acabou Feijão“ skandieren sie: Das brasilianische Nationalgericht, der Bohneneintopf Feijão, sei alle.
In PCP gab es dann neue Simulationspräsentationen, und viele Brasilianer hatten sich regelrecht ins Zeug gelegt, um nicht nur bunte Präsentationen zu gestalten, sondern auch die Gewinne der virtuellen Unternehmen in astronomische Höhen zu treiben: Einige hatten einen Programmfehler entdeckt, der die Produktion selbst dann ermöglichte, wenn man zuvor kein Rohmaterial einkaufte und dafür somit auch keine Kosten anfielen. Andere haben zum Ende der Simulationsperiode alle Maschinen verkauft – sehr strategisch gedacht! Kein Wunder, dass man dann den Gewinn um das doppelte des möglichen vergrößern kann. Aber auch Prof. Dalvio bleibt bei solchen „Strategien“ skeptisch.


Klick öffnet Präsentation

Nach der Vorlesung geht es dann noch zum Tasche packen nach Hause, und da aufgrund Delmos Abwesenheit die Essenplanung zusammenbricht, gehen wir mit den Paulistas Pizza essen in der Pizzeria um die Ecke.
Abends bringt Markus Monza uns (Rebecca, Jürgen, Franziska und mich) zur Rodoviária: Auf ins Pantanal!

Segunda-feira, Setembro 05, 2005

Paulistas und VW-Vortrag

Als ich aufwache, sind alle Sofas belegt: Einige Neffen von Ângela sind über Nacht angekommen, und wollen erst einmal bleiben. Sie kommen aus São Paulo, waren in Rio Grande do Sul im Urlaub und haben sich auf der Rückfahrt gedacht: Wir haben doch noch eine Tante in Florianópolis, die wir lange nicht mehr besucht haben. Die hat eine große Wohnung, und so. Nur haben sie nicht bedacht, dass die Tante aus Florianópolis ne Menge ausländischer Studenten in ihrer großen Wohnung beherbergt, so dass für die Jungs dann mitten in der Nacht nur das Sofa blieb. Delmo packt seine Sachen, er fliegt heute wieder für seinen Arbeitgeber 20 Tage lang in die USA, so dass ich das Auto nach wie vor nur von außen kenne:


Delmo hat sich einen schicken Chevrolet Zafira mit DVD-Player für die Fondsitze gekauft.

Abends gehe ich auf einen Vortrag über Logistikoptimierung vom Volkswagenwerk in Curitiba. Den einleitenden Vortrag hält der Logistikprofessor, der etwas aus seiner Vorlesung erzählt, z.B. das von 1,3 Millionen brasilianischen Straßenkilometern nur etwa 300.000 km asphaltiert seien. Dann spricht der Logistikchef von VW do Brasil über den Bau des Werkes in Curitiba, und wie man die Logistikkosten um das Zehnfache senken konnte: Man hat einfach die (deutschen) Zulieferunternehmen in der Nähe des Werkes angesiedelt, und musste die Teile nicht mehr aus Deutschland einfliegen lassen. Ist jetzt keine soo neue oder überraschende Idee, aber immerhin konnte ich ihm noch die Bewerbungen der Unibral-Kandidaten für das kommende Jahr mitgeben.

Domingo, Setembro 04, 2005

Scheißwetter

Das Wetter ist in Floripa schon seit Tagen, eigentlich sogar seit Wochen, eher an Ilmenauer als an brasilianischen Standards orientiert. So verwundert es nicht, dass heute alle Gastkinder ihre Notebooks aufgeklappt haben, und es schon Caipirinha zum Mittagessen gibt – man muss ja irgendwie warm werden.


MMG, Markus, Takuya und Delmo


Anna, Rika, Franziska und Aurore


Scheißwetter in Carvoeira


ein niederländisches iBook, 2x Windows auf Japanisch, Franziska mit meinem IBM-Notebook und Aurore an Delmos Toshiba: Rede sem cabo para todos

Sábado, Setembro 03, 2005

Delmos neues Auto

Morgens sitzt Delmo schon früh vor dem Fernseher. Es gibt einen Sender, der alle Gebrauchtwagen der großen Autohäuser vorstellt. Und Delmo ist kaufwillig, nachdem sein Fiat Tempra nicht mehr richtig spurt. Schon vor kurzem hat er erklärt, als neue Modelle ziehe er einen Chevrolet Zafira, einen Renault Scénic, einen VW Santana oder einen Chevrolet Camionete-Jeep.
Als der Fernsehsender einen silbernen Zafira 2.0 mit DVD-Player zeigt, der in Kobrasol, einem Stadtteil von São José steht, ist Delmo nicht mehr zu halten.
Wir fahren unterdessen zum Strand, wo ich mich mit Markus und Takuya beim Fußball erst einmal von den Präsentationsstrapazen der letzten Woche austobe. Es ist sonniges Wetter, dennoch bin ich der einzige, der sich in die Fluten stürzt, gar nicht sooo kalt.


Aber hohe Wellen gabs!


Und einen Ball sowie Takuya und Markus zum Austoben!

Zusammen mit Franziska, Patricia, Rebecca, Rika, Markus, Jürgen und Takuya haben wir dann noch ein kleines Beachvolleyballspiel initiiert, und als wir wieder zu Hause ankamen, stand der Zafira mit DVD-Player vor der Tür. Delmo ist schon ein bisschen verrückt.
Abends ruft dann noch Marcela an, eine andere Unibralkandidatin: Gestern wäre sie leider nicht auf der Party gewesen, aber das mit dem Forró-Tanzen wäre ja wohl ihre Idee gewesen! Auch gut, treffen wir uns vorher noch in der Weinstube Pipa? Beleza.
Jürgen und Rebecca sind ebenfalls mitgekommen, sowie Jürgens Mitbewohner Guilherme. Marcela und Leandro haben auch noch ein paar Kumpels dabei, so dass wir zu zehnt in die Pedrera nach Lagoa zum Forró gefahren sind. Irgendwann wollte Leandro noch ein paar Brasilianerinnen anmachen, also war er dann deutscher Austauschstudent, der bisher kein Portugiesisch spricht. Sehr lustig. Nur musste er dafür natürlich Deutsch sprechen, und das war vor allem für uns sehr lustig.

Sexta-feira, Setembro 02, 2005

Shopping Tour

Für das Pantanal brauchen wir noch einiges an Ausstattung, so viel steht fest. Deswegen gehen wir an diesem Freitagmorgen ins Zentrum, um einzukaufen. Strikt nach Geschlechtern getrennt, so ist es wohl besser, versuchen Steve und ich sowie Rebecca und Franziska Florianópolitaner Läden nach Regenjacken, festem Schuhwerk, Moskitonetzen etc. zu erleichtern. Ergebnis beim verabredeten Mittagessen: Steve hat neue Schuhe (ich hatte mir ja letztens schon welche gekauft), wir beide neue Regenjacken. Franziska und Rebecca haben vor lauter Läden noch keine Kaufentscheidungen treffen können, dafür testen sie mit mitgebrachtem Wasser die Impermeabilität unserer Regenjacken. Nachmittags fahre ich noch mit Steve ins Beiramar Shopping weiter, wo ich mir im Renner eine Hose kaufe. Um drei komme ich zu Hause an und muss erst einmal ins Bett fallen von der anstrengenden Einkaufstour. Erst um acht Uhr abends kommt Franziska vollbepackt zu Hause an, hat Schuhe, Hose und Regenjacke gefunden, und fällt ins Bett, als ich wieder aufstehe.
Und mit Steve noch auf der Party des Studentenvereins Calipro gehe. Als ich mit Leandro (einem der Kandidaten für Deutschland) auf Steve warte, springt mich eine brasilianische Studentin an: „Gib mir, gib mir, Kinder!“ – Ich schaue Leandro an, und noch ungläubiger das Mädel. Des Rätsels Lösung: Sie wollte ihre Deutschkenntnisse zum Besten geben und „Gehen wir, gehen wir Kinder“ sagen. Das ist dann wohl einigermaßen in die Hose gegangen, und Leandro und ich hatten einigen Spaß, ihr das klar zu machen.
Unabhängig davon war es eine ziemlich coole Studentenfete, nur müssen wir den Brasilianern noch beibringen, dass man sich pro Person eine Flasche Bier kauft und dann aus der Flasche trinken darf. Irgendwann spät am Abend kommt Aline an. Sie war im letzten Jahr in Deutschland, und hat dann noch ein Praktikum beim Daimler angehängt, so dass sie, ausgestattet mit perfekten Deutschkenntnissen, gestern wieder in Floripa gelandet ist. Leandro und Fábio schlagen vor, doch morgen Abend nach Lagoa zum Forró zu fahren. „Pegue o número dele“, sagt Aline zu ihrer kleinen Schwester, denn sie hat noch ein deutsches Handy und muss erst mal ein brasilianisches kaufen.

Quinta-feira, Setembro 01, 2005

Bummelstreik die zweite

Prof. Raul hat heute seinen Beamer sowie sein Notebook gar nicht erst mitgebracht, und jegliches Material außer einer Streikzeitschrift zu Hause gelassen. Er beginnt, über das CNG – Comité Nacional da Greve (Nationales Streikkomitee) zu informieren. Nach 15 Minuten beschließen Franziska und ich, den Raum zu verlassen. In PCP haben wir wieder Hausaufgaben, das ist wichtiger.