Quinta-feira, Junho 30, 2005
Heute Abend haben wir uns wieder zum Deutschkurs getroffen. Nachdem mich Markus hat hängen lassen, musste ich da alleine durch. Ich hatte eine Karte von Ilmenau vorbereitet, und wir haben mit Wegbeschreibungen angefangen und gleichzeitig deutsche Präpositionen geübt: zur Mensa, nach Erfurt, ins Oeconomicum, in die Ehrenbergstraße, beim Kaufland.
Terça-feira, Junho 28, 2005
Verbesserungsvorschlag
Hatte am Freitag und Montag noch einen weiteren Verbesserungsvorschlag entworfen. Dabei wird ein Bauteil vereinfacht, und zwei weitere durch ein gemeinsames Teil ersetzt, welches billiger zu produzieren ist. Heute habe ich mit Hélvio und Celso, dem Montageleiter, darüber diskutiert. Der Vorschlag wird wohl umgesetzt werden, zunächst soll ich einen Prototypen konstruieren und bauen lassen, und dann wird der getestet. Später, im vierten Teil meines Praktikums, wenn es um Stücklisten, Baugruppen, Herstellzeiten etc. geht, werde ich mal versuchen, eine Vergleichsrechnung durchzuführen: Was kostete die alte Version, was kostet die neue, wie hoch ist das Einsparpotenzial des Vorschlags? Aber erst mal muss das Ding, was am Computer in SolidWorks ganz schick aussieht, seine Praxistauglichkeit unter Beweis stellen.
Mitpraktikant Rodrigo, der Werkstoffwissenschaftler, arbeitet seit gestern in der Abteilung Pós-Vendas, was etwa dem Service nach dem Verkauf entspricht, also Garantieleistungen, Kundendienst und Co. Bisher gibt es diesen nur für Brasilien. Da er jedoch fließend Spanisch spricht und außerdem für brasilianische Verhältnisse gut Englisch, wird er einen internationalen Service aufbauen.
Außerdem sind die Buspreise gesunken, und zwar wieder auf 1,60 R$. Ob das am Erfolg der Studentenproteste oder an der öffentlichen Meinung liegt, die sich darüber beklagt, dass die Busgesellschaft bei der Privatisierung an den Mann der damals amtierenden Bürgermeisterin verkauft wurde, bleibt offen.
Nach dem Tandemkurs war ich abends noch mit meinen künftigen Mitbewohnern Sebastian, Rika und Takuya und meinen künftigem Gastbruder Eduardo sowie Ângela und Delmo, meinen künftigen Gasteltern, essen. Am Sonntagabend werde ich umziehen.
Mitpraktikant Rodrigo, der Werkstoffwissenschaftler, arbeitet seit gestern in der Abteilung Pós-Vendas, was etwa dem Service nach dem Verkauf entspricht, also Garantieleistungen, Kundendienst und Co. Bisher gibt es diesen nur für Brasilien. Da er jedoch fließend Spanisch spricht und außerdem für brasilianische Verhältnisse gut Englisch, wird er einen internationalen Service aufbauen.
Außerdem sind die Buspreise gesunken, und zwar wieder auf 1,60 R$. Ob das am Erfolg der Studentenproteste oder an der öffentlichen Meinung liegt, die sich darüber beklagt, dass die Busgesellschaft bei der Privatisierung an den Mann der damals amtierenden Bürgermeisterin verkauft wurde, bleibt offen.
Nach dem Tandemkurs war ich abends noch mit meinen künftigen Mitbewohnern Sebastian, Rika und Takuya und meinen künftigem Gastbruder Eduardo sowie Ângela und Delmo, meinen künftigen Gasteltern, essen. Am Sonntagabend werde ich umziehen.
Domingo, Junho 26, 2005
Besuch bei Karsten
Karstens kleine Hütte am Strand haben wir uns dann heute direkt mal angeschaut. Steve und Christian sind begeistert, alles sehr klasse. Wir waren noch zusammen essen und haben uns seine Brasilienfotos angeschaut. Er ist jetzt fast ein Jahr hier, und hatte noch zahlreiche Reisetipps auf Lager.
Sábado, Junho 25, 2005
Brasil × Deutschland und Festa Junina
Nachdem wir eine Woche lang per Mail diskutiert hatten, was wir denn Vera eigentlich zum Abschied schenken könnten, ist uns auf dem Weg zum Bus heute eingefallen, dass bei mir ja noch eine Kuchenform aus Veras Haushalt lagert. Die könnte man doch gefüllt zurückbringen, man hätte gleich was zum mitbringen für die Party – perfekt. Doch erst mal mussten wir vom TICEN zum verabredeten Ort für das Anschauen des Fußballspiels kommen. Markus und Márcia nahmen uns nach Campeche mit, wo wir mit einigen Eletrosul-Kollegen von Markus verabredet waren. Auch Anne und Ingmar treffen wir wieder, zum ersten Mal seit fast drei Monaten waren so alle deutschen Studenten wieder zusammen! In Campeche ist bekanntlich der Landeplatz des kleinen Prinzen von Antoine Saint-Exupéry. Der französische Kinderbuchautor ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts häufig hier mit seinem Postflugzeug am Strand gelandet. Daher heißt die einzige Straße, die auf den Strand zuführt, auch Avenida do Pequeno Príncipe, und genau dort lassen wir uns in einem Restaurant nieder, welches irgendwie nur Fischgerichte serviert. Ein X-Salada für mich wird dann einfach schnell aus dem Nachbarlokal organisiert, und das Halbfinale im Copa das Confederações kann beginnnen: Deutschland spielt gut, aber Brasilien besser, so dass wir zum Unglauben der anderen brasilianischen Gäste nur zweimal von den Bänken springen, während alle anderen im Lokal dreimal jubeln dürfen.

Die Deutschen in der Mehrheit, die Kollegen von Eletrosul in der Minderheit. Brasil hat trotzdem gewonnen.
Nach einem Strandspaziergang entdecken wir bei einem Straßenverkäufer noch eine zuvor vieldiskutierte Kette für Vera, so dass auch das Thema jetzt zu den Akten gelegt werden kann – oder zumindest erst einmal um den Hals von Steve.
Zurück im Heimatbairro Santa Mônica sind Steve, Christian und ich noch in den Angeloni, und haben diverse Kuchenzutaten samt Schokoglasur eingekauft. Tja, ich hatte noch Lust auf Maracujá-Pudding, und eine Muffin-Backmischung sowie billiger Wein zum Glühwein Kochen fand auch noch den Weg in unseren Einkaufskorb.

Steve, Christian und ich haben bei uns in der Küche den kompletten Nachmittag noch ein wenig gezaubert.
Bei mir zu Hause haben wir uns dann mal an den Teig gestürzt. Auch für Verkleidung ist gesorgt: Ein Karohemd muss sein, und ein Strohhut hat Christian für jeden aus Blumenau mitgebracht (Kostenpunkt: 1 Real, kaum zu glauben). Kurz nach acht waren wir fertig, Luiz und Michelle sind auch eingeladen – schließlich feiert Vera heute ein Festa Junina, weil sie in ihrer ersten Woche in Brasilien vor einem Jahr von Cássia zu einem Festa Junina geschleppt wurde – bei Luiz und Michelle. Michelle hat heute leider viel Arbeit, aber Luiz kommt mit – und fährt uns noch an einem Kiosk vorbei, um typische Mitbringsel zu einem Festa Junina einzukaufen: Erdnussbrot (Pé de Moleque, wörtlich Lausbubenfuß) und Amendoim (zu kleinen Zylindern „gesintertes“ Erdnusspulver). Bei Vera angekommen war schon die gesamte Wohnung dekoriert, und wir waren ausnahmsweise mal nicht die ersten Gäste. Eigentlich trudelten im Laufe des Abends fast alle Leute ein, die ich so in Brasilien kenne (außer meinen Arbeitskollegen und den Leuten aus der Studentengemeinde): Rika und Takuya, Anna, Tatiana und Milene, Cássia, 2x Márcia, die Kandidaten für den neuen Austausch nach Deutschland (Marcela, Carla, Fábio und Leandro), Wagner, alle möglichen Freunde und Verwandte von Veras Gasteltern, ...).

MMG, Steve, Christian, Vera Monitora Embora, Sebastian

Gastvater Delmo führt seine Vera zum Traualtar

Marcela und Carla sind zwei der Unibral-Kandidatinnen für Ilmenau 2006
Bei einem Festa Junina (übrigens ein Sonnenwendefest) wird immer viel getanzt – sozusagen der Karneval des Winters aus dem Interior, aus der Provinz. So gab es Forró, Samba und weitere Schritte, die ich schon wieder vergessen habe. Außerdem gibt es traditionell ein Lagerfeuer (auf einem Dachbalkon schlecht möglich) und eine Hochzeit. Vera und Sebastian wurden hier durch Gastbruder Eduardo verheiratet. Später am Abend haben wir noch einen weiteren Deutschen, Karsten, kennen gelernt. Er studiert Biologie in Freiburg und wird Ende Juli aus seinem Strandhaus an der Praia Joaquina ausziehen – Steve und Christian sind daran interessiert, in seine Wohnung einzuziehen.

Karsten hat ein cooles T-Shirt: Tomme Cachaça. Und ich habe einen künstlichen Bart

Die Deutschen in der Mehrheit, die Kollegen von Eletrosul in der Minderheit. Brasil hat trotzdem gewonnen.
Nach einem Strandspaziergang entdecken wir bei einem Straßenverkäufer noch eine zuvor vieldiskutierte Kette für Vera, so dass auch das Thema jetzt zu den Akten gelegt werden kann – oder zumindest erst einmal um den Hals von Steve.
Zurück im Heimatbairro Santa Mônica sind Steve, Christian und ich noch in den Angeloni, und haben diverse Kuchenzutaten samt Schokoglasur eingekauft. Tja, ich hatte noch Lust auf Maracujá-Pudding, und eine Muffin-Backmischung sowie billiger Wein zum Glühwein Kochen fand auch noch den Weg in unseren Einkaufskorb.

Steve, Christian und ich haben bei uns in der Küche den kompletten Nachmittag noch ein wenig gezaubert.
Bei mir zu Hause haben wir uns dann mal an den Teig gestürzt. Auch für Verkleidung ist gesorgt: Ein Karohemd muss sein, und ein Strohhut hat Christian für jeden aus Blumenau mitgebracht (Kostenpunkt: 1 Real, kaum zu glauben). Kurz nach acht waren wir fertig, Luiz und Michelle sind auch eingeladen – schließlich feiert Vera heute ein Festa Junina, weil sie in ihrer ersten Woche in Brasilien vor einem Jahr von Cássia zu einem Festa Junina geschleppt wurde – bei Luiz und Michelle. Michelle hat heute leider viel Arbeit, aber Luiz kommt mit – und fährt uns noch an einem Kiosk vorbei, um typische Mitbringsel zu einem Festa Junina einzukaufen: Erdnussbrot (Pé de Moleque, wörtlich Lausbubenfuß) und Amendoim (zu kleinen Zylindern „gesintertes“ Erdnusspulver). Bei Vera angekommen war schon die gesamte Wohnung dekoriert, und wir waren ausnahmsweise mal nicht die ersten Gäste. Eigentlich trudelten im Laufe des Abends fast alle Leute ein, die ich so in Brasilien kenne (außer meinen Arbeitskollegen und den Leuten aus der Studentengemeinde): Rika und Takuya, Anna, Tatiana und Milene, Cássia, 2x Márcia, die Kandidaten für den neuen Austausch nach Deutschland (Marcela, Carla, Fábio und Leandro), Wagner, alle möglichen Freunde und Verwandte von Veras Gasteltern, ...).

MMG, Steve, Christian, Vera Monitora Embora, Sebastian

Gastvater Delmo führt seine Vera zum Traualtar

Marcela und Carla sind zwei der Unibral-Kandidatinnen für Ilmenau 2006
Bei einem Festa Junina (übrigens ein Sonnenwendefest) wird immer viel getanzt – sozusagen der Karneval des Winters aus dem Interior, aus der Provinz. So gab es Forró, Samba und weitere Schritte, die ich schon wieder vergessen habe. Außerdem gibt es traditionell ein Lagerfeuer (auf einem Dachbalkon schlecht möglich) und eine Hochzeit. Vera und Sebastian wurden hier durch Gastbruder Eduardo verheiratet. Später am Abend haben wir noch einen weiteren Deutschen, Karsten, kennen gelernt. Er studiert Biologie in Freiburg und wird Ende Juli aus seinem Strandhaus an der Praia Joaquina ausziehen – Steve und Christian sind daran interessiert, in seine Wohnung einzuziehen.

Karsten hat ein cooles T-Shirt: Tomme Cachaça. Und ich habe einen künstlichen Bart
Sexta-feira, Junho 24, 2005
Kalt in Lagoa
Steve und Christian trudelten nach und nach bei mir ein, und können das Wochenende hier bei Luiz und Michelle schlafen. Abends sind wir dann noch mal mit dem Bus nach Lagoa de Conceição gefahren, haben es aber etwas ruhiger angehen lassen. Es war auch saukalt, aber es musste ja um Himmels Willen draußen gesessen werden…
Quinta-feira, Junho 23, 2005
Deutschstunde
Heute habe ich schon wieder Deutschunterricht gegeben, und zwar zusammen mit Markus. Wir haben mit den brasilianischen Kandidaten für das Unibral-Programm etwas Konversation gemacht. Vorstellungsrunde, woher kommst Du, was studierst Du?
Im November haben sie eine Prüfung über ihre Deutschkenntnisse, die über ihren Deutschlandaufenthalt entscheiden wird, und bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Daher werden wir uns jetzt wöchentlich treffen.
Am Wochenende werden wir einige von Ihnen auf Veras Abschiedsfest – Festa de despedida – wiedertreffen. Richtig, unsere Monitora Vera verlässt uns schon wieder gen Ilmenau, und daher werden auch am Wochenende unsere Exilpraktikanten und –innen aus Jaraguá, Blumenau und Joinville in Florianópolis eintrudeln.
Im November haben sie eine Prüfung über ihre Deutschkenntnisse, die über ihren Deutschlandaufenthalt entscheiden wird, und bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Daher werden wir uns jetzt wöchentlich treffen.
Am Wochenende werden wir einige von Ihnen auf Veras Abschiedsfest – Festa de despedida – wiedertreffen. Richtig, unsere Monitora Vera verlässt uns schon wieder gen Ilmenau, und daher werden auch am Wochenende unsere Exilpraktikanten und –innen aus Jaraguá, Blumenau und Joinville in Florianópolis eintrudeln.
Terça-feira, Junho 21, 2005
Wohnungen klar
Am Montag war ich zum Fotos tauschen bei Vera und Sebastian in der Familie. Hier wohnen auch die beiden Japaner – und wenn Vera und Sebastian ausziehen, ziehe ich ein. Soviel steht jetzt fest. Auch wenn das alles etwas kompliziert ist, das Zimmer soll noch renoviert werden, Markus will auch einziehen, und irgendwie heißt es: Ihr könnt erst mal einziehen, aber weil die Japaner in den Urlaub fahren, könnt Ihr ja dort schlafen.
Auf der Arbeit habe ich mir einen Verbesserungsvorschlag ausgedacht, um das Spiel eines pneumatisch betriebenen Tablettarmes zu reduzieren. Darüber handeln auch meine Messungen in der Statistischen Prozesskontrolle. Daher verbringe ich meine Zeit jetzt häufiger in der Fabrikhalle und schaue mir die Einzelteilproduktion und die Montage dieser Baugruppe genauer an. Das ist ganz interessant, da komme ich mit den Leuten in der Fabrik ins Gespräch und lerne das Produkt kennen. Hélvio fand meinen Vorschlag zwar gut, aber es müsste ein Werkzeug geändert werden, und daher wird es zunächst nicht umgesetzt. Ich habe mir heute noch zwei neue Sachen ausgetüftelt, die werde ich ihm am kommenden Montag mal präsentieren. Ergo: Hélvio ist nicht da, diesmal ist er in São Paulo, Maschinen kaufen. Fast alles, was im brasilianischen Maschinenbau Rang und Namen hat, befindet sich in São Paulo. Bis dahin werde ich noch ein paar langweilige Qualitätsmessungen machen (ja, Qualität ist langweilig, es ist nicht kreativ!).
Am Dienstagabend habe ich mich wieder mit Vilson getroffen. Er hatte noch eine Hausarbeit zu machen, und so gab es kaum Zeit zur Konversation. Dafür bin ich dann zu seinem Deutschunterricht geblieben. Da das Semester bald zu Ende geht, gab es heute Konversation zum Thema Berlin. Vilson hatte sein Notebook dabei und zeigt den Schülern Bilder von seinem Berlinaufenthalt letztes Jahr: Fernsehturm am Alexanderplatz, Brandenburger Tor, Siegessäule, Reichstagskuppel. Ich habe noch etwas über die Berliner Mauer und Fluchten aus der DDR erzählt.

Mach rüber, Conrad!
Auf der Arbeit habe ich mir einen Verbesserungsvorschlag ausgedacht, um das Spiel eines pneumatisch betriebenen Tablettarmes zu reduzieren. Darüber handeln auch meine Messungen in der Statistischen Prozesskontrolle. Daher verbringe ich meine Zeit jetzt häufiger in der Fabrikhalle und schaue mir die Einzelteilproduktion und die Montage dieser Baugruppe genauer an. Das ist ganz interessant, da komme ich mit den Leuten in der Fabrik ins Gespräch und lerne das Produkt kennen. Hélvio fand meinen Vorschlag zwar gut, aber es müsste ein Werkzeug geändert werden, und daher wird es zunächst nicht umgesetzt. Ich habe mir heute noch zwei neue Sachen ausgetüftelt, die werde ich ihm am kommenden Montag mal präsentieren. Ergo: Hélvio ist nicht da, diesmal ist er in São Paulo, Maschinen kaufen. Fast alles, was im brasilianischen Maschinenbau Rang und Namen hat, befindet sich in São Paulo. Bis dahin werde ich noch ein paar langweilige Qualitätsmessungen machen (ja, Qualität ist langweilig, es ist nicht kreativ!).
Am Dienstagabend habe ich mich wieder mit Vilson getroffen. Er hatte noch eine Hausarbeit zu machen, und so gab es kaum Zeit zur Konversation. Dafür bin ich dann zu seinem Deutschunterricht geblieben. Da das Semester bald zu Ende geht, gab es heute Konversation zum Thema Berlin. Vilson hatte sein Notebook dabei und zeigt den Schülern Bilder von seinem Berlinaufenthalt letztes Jahr: Fernsehturm am Alexanderplatz, Brandenburger Tor, Siegessäule, Reichstagskuppel. Ich habe noch etwas über die Berliner Mauer und Fluchten aus der DDR erzählt.

Mach rüber, Conrad!
Domingo, Junho 19, 2005
Badisches Bier
Nach dem Aufbruch aus der Pousada ging es heute zur Brauereibesichtung in die Cervejaria Baden Baden. Die Führung war ziemlich mau, Hopfen, Gerste, pronto. Von der Lei alemã da Pureza kein Wort, von der Technik des Brauens, vom Abfüllen der Flaschen – nada. Hauptsache nachher stimmen der Ausschank und der T-Shirt-Verkauf. Letzere waren aber auch tatsächlich gut, ich habe mir zusammen mit Sebastian und Alexandre auch eins gekauft. Im Shopping Center gibt es nämlich nur T-Shirts mit englischem estampo, Aufdruck, und das ist ja langweilig. „Baden Baden – a cervejaria de Campos do Jordão“ ist da natürlich viel genialer, rangiert sozusagen direkt hinter „Oktoberfest Blumenau“ mit teuto-brasilianischer Flagge. T-Shirts mit brasilianischer Aufschrift erhält man sonst fast nur am Strand, erklärt mir Vera: Auch Rika hat eines, auf dem „A vida é dura, mas a praia é mole“ steht. Das Leben ist hart, aber der Strand ist weich. Wer das Wortspiel nicht verstanden hat, schlage im Tagebuch den 20. März auf.
Danach genießen wir bei wunderschönem Wetter die Abfahrt auf der Bergstraße mit Panorama-Blick auf die Berge und ins Flachland. Sehr geniale Straße. In der Ebene angekommen, bewahrheitet sich die Restaurant-Theorie von neuem: In einem kleinen Kaff namens Quiririm kennen unsere Paulistas (Einwohner aus São Paulo, Stadt oder Staat) ein wirklich tolles Restaurant. Man muss Brasilianer dabei haben, um mehr als nur die Volksfütterungsanstalten der Rodizíos kennen zu lernen!
Über die Via Dutra geht es zurück nach São José dos Campos. Die Autobahn ist nach dem brasilianischen Präsidenten Eurico Gaspar Dutra benannt, der sie in den 40er Jahren als einfache Straße bauen ließ. Auf dem 30 km langen Teilstück, welches wir befahren, befindet keine einzige Kurve, und bis heute sind rechts und links Städte entstanden.
Bei Patricia und Alexandre ist noch einmal descansar angesagt, bevor der Kleinbusfahrer klingelt und uns zum Flughafen bringt. In Floripa regnet ist, und es ist merklich kälter.

Blick von der Serra
Danach genießen wir bei wunderschönem Wetter die Abfahrt auf der Bergstraße mit Panorama-Blick auf die Berge und ins Flachland. Sehr geniale Straße. In der Ebene angekommen, bewahrheitet sich die Restaurant-Theorie von neuem: In einem kleinen Kaff namens Quiririm kennen unsere Paulistas (Einwohner aus São Paulo, Stadt oder Staat) ein wirklich tolles Restaurant. Man muss Brasilianer dabei haben, um mehr als nur die Volksfütterungsanstalten der Rodizíos kennen zu lernen!
Über die Via Dutra geht es zurück nach São José dos Campos. Die Autobahn ist nach dem brasilianischen Präsidenten Eurico Gaspar Dutra benannt, der sie in den 40er Jahren als einfache Straße bauen ließ. Auf dem 30 km langen Teilstück, welches wir befahren, befindet keine einzige Kurve, und bis heute sind rechts und links Städte entstanden.
Bei Patricia und Alexandre ist noch einmal descansar angesagt, bevor der Kleinbusfahrer klingelt und uns zum Flughafen bringt. In Floripa regnet ist, und es ist merklich kälter.

Blick von der Serra
Sábado, Junho 18, 2005
Campos do Jordão
Für neun Uhr sind wir zum Frühstück verabredet, und bis zehn Uhr sind dann auch alle eingetrudelt. Heute geht es in den Horto Florestal, ein Naturschutzgebiet. Man zahlt drei Reais und fährt mit dem Auto rein. Hier machen wir eine für brasilianische Verhältnisse lange Wanderung, in Stöckelschuhen ist das auch sicherlich nicht einfach… Die Landschaft ist umso reizvoller, gibt es doch Pinien, Baumgrenzen und Wasserfälle zu sehen. Ich lerne den Unterschied zwischen einem cachoeira und cataratas: Beide heißen zu Deutsch Wasserfall, aber cataratas sind gößer, kommen stets im Plural vor und verdienen diesen Namen nur, wenn der Fluss Ausmaße à la Niagara oder Iguaçu erreicht.
Danach geht es wieder in die Stadt zurück, wo wir mit einem abenteuerlichen Sessellift auf den Berg hinauffahren. Der liegt hoch oben über der Stadt, und man hat einen tollen Ausblick – mehr aber auch nicht. Unten im Tal überkommt uns der Hunger, und wir haben die Wahl zwischen mehreren edlen Restaurants. Als Krönung gibt es noch warmen Apfelstrudel mit Eis. Alles deutet darauf hin, dass dieses ein sehr teures Wochenende wird, schon wieder 40 Reais für eine Mahlzeit losgeworden. Das sind ja deutsche Preise hier!
Als wir nach dem Essen auf die Straße raus sind, wird es schon dunkel, und wir machen noch ein wenig descansar in der Pousada. Wer mit Brasilianern auf ein Wochenende fährt, muss sich nicht wundern, dass der Abend erst um halb 11 wieder beginnt. Während mein Zimmergenosse Takuya und ich erst mal drei Stunden schlafen, haben sich die Brasilianer wahrscheinlich gerade die neuesten Folgen der allabendlichen Seifenopern reingezogen, die hier Telenovelas heißen. Um 11 gehen wir dann wieder in die Innenstadt, und setzen uns in dicker Jacke in ein Straßencafé. Nach diesem anstrengenden Tag geht es auch heute noch auf einen Nachtkakao in eine Chocolateria.
Danach geht es wieder in die Stadt zurück, wo wir mit einem abenteuerlichen Sessellift auf den Berg hinauffahren. Der liegt hoch oben über der Stadt, und man hat einen tollen Ausblick – mehr aber auch nicht. Unten im Tal überkommt uns der Hunger, und wir haben die Wahl zwischen mehreren edlen Restaurants. Als Krönung gibt es noch warmen Apfelstrudel mit Eis. Alles deutet darauf hin, dass dieses ein sehr teures Wochenende wird, schon wieder 40 Reais für eine Mahlzeit losgeworden. Das sind ja deutsche Preise hier!
Als wir nach dem Essen auf die Straße raus sind, wird es schon dunkel, und wir machen noch ein wenig descansar in der Pousada. Wer mit Brasilianern auf ein Wochenende fährt, muss sich nicht wundern, dass der Abend erst um halb 11 wieder beginnt. Während mein Zimmergenosse Takuya und ich erst mal drei Stunden schlafen, haben sich die Brasilianer wahrscheinlich gerade die neuesten Folgen der allabendlichen Seifenopern reingezogen, die hier Telenovelas heißen. Um 11 gehen wir dann wieder in die Innenstadt, und setzen uns in dicker Jacke in ein Straßencafé. Nach diesem anstrengenden Tag geht es auch heute noch auf einen Nachtkakao in eine Chocolateria.
Sexta-feira, Junho 17, 2005
Von São José dos Campos in die Serra nach Campos do Jordão
Aussschlafen ist ne feine Sache. Und dennoch bin ich der erste, der wach ist. Alexandre ist schon zur Arbeit, und Patricia kauft für das Frühstück ein. Es wird, als alle eintrudeln, eine wahre Mahlzeit. Die ist auch notwendig, schließlich sind die Frauen in der Mehrheit, und so heißt das Programm für den Vormittag: Shopping Center. Zwar ist São José dos Campos mit etwa 600.000 Einwohnern größer als Florianópolis, dennoch muss man sagen: „Aqui não tem nada“ – Hier gibt es nichts. Außer diesem Shopping-Center. Während die Frauen in diversen Boutiquen einfallen, kaufe ich mir ein schönes Oberhemd im Renner (H&M à la Brasileira). Mittags essen wir in einem italienischen Restaurant. Mir fällt auf, dass der Verzicht auf Rodízio de Pizza ein Qualitätsmerkmal eines Restaurants darstellt, jene Lokalitäten leider nur von Einheimischen gefunden werden können. Dann gibt’s noch ein Cappuchino in einem Eiscafé, und als nach einer Stunde descansar auf den Abend zugeht, heißt es schon wieder: Sachen packen. Treffpunkt ist eine Tankstelle, wo wir uns mit Freunden von Patricia und Alexandre treffen, um das Wochenende gemeinsam in Campos do Jordão zu verbringen. Alexandre ist bereits mit dem Motorrad vorgefahren, und wir verteilen uns auf die Autos der Freunde: in einem Fiesta rauscht „Jappa“ im Kamikaze-Stil heran, der Nachfolger japanischer Einwanderer ist und den niemand Ricardo nennt. Seine Frau Lou, ein Bekannter namens Walter, und noch ein Pärchen, Mario und Katia. Silberne Autos scheinen im Staate São Paulo sehr modern zu sein. Über eine nagelneue Autobahn rauschen wir bis an die Füße der Berge, von dort aus führt eine gut ausgebaute Bundesstraße die Berge in die Serra (Sierra) hinauf. Wir fahren von Quasi-Meeresspiegel bis auf 1.600m altitude em cima do nível do mar, vorbei an einem Zeltlager der Landlosenbewegung (Movimento de Libertação dos sem terra), deren Mitglieder versuchen, Fazendas zu besetzen. Schließlich erreichen wir unsere Pousada in Campos do Jordão, und nicht nur wegen dem hiesigen Bier komme ich mir vor wie in Baden-Baden: es ist halt alles ein wenig teurer hier. Zahle ich im Hotel Hermann in Blumenau oder in der Pousada Schultz in Joinville etwa 20 Reais die Nacht, so sind es hier (zugegeben etwas komfortablere) 75 Reais. Tja, und auch ansonsten ist das hier ein ziemlich deutscher Wintersportort. Nur bisher ohne Schnee. Dafür gibt es Suppe, salsichas (Würstchen) und Fondue im Restaurant Baden-Baden, Bier der Marke „Baden Baden“, Plakate aus Baden-Baden, und Fachwerk. Wobei Werbeflächen auf Fachwerk natürlich einen höheren Quadratmeterwert als reines Fachwerk haben, aber was soll´s, ist eh kein historisches Fachwerk: Der ganze Stadtkern wurde etwa vor 20 Jahren hochgezogen. Wir trinken danach noch eine heiße Schokolade, betrachten die Weihnachtsbeleuchtung, und sehen Brasilianer in Mütze, Handschuhen und Schals. Gorro, Luvas e manta.

Katia und Milene sind zwei Friernasen

Katia und Milene sind zwei Friernasen
Quinta-feira, Junho 16, 2005
Flug nach São Paulo
Auf der Arbeit war ich heute fast den ganzen Tag in der Werkstatt – wie soll man auch sonst ohne Computer den Tag rumkriegen? Es war sogar ganz interessant, aber Qualitätsmanagement ist sicherlich auf Dauer nichts für mich: Das heißt messen und Datenknecht sein.
Abends hat mich Claudio am TICEN raus gelassen, von wo ich mit dem Bus zum Aeroporto Hercílio Luz weiterfahren wollte. Dieses Mal haben demonstrierende Studenten die Schnellstraße von der Brücke zum Tunnel in den Süden der Insel, wo auch der Flughafen liegt, lahm gelegt. Vom TICEN fahren keine Busse in Richtung Süden, und das Verkehrschaos in der Stadt beruhigt mich nur insoweit, dass ich auch mit einem Taxi nicht schneller wäre und meinen Flieger um 21:05 Uhr schon davonbrausen sehe. Irgendwie schlage ich mich zur letzten Auffahrt vor dem Tunnel durch, wo die Busgesellschaft Insular, die den Süden der Insel anfährt, spontan heute Abend abfährt – wie ich wollen nämlich auch viele Tausend Pendler raus aus der Stadt. In einen derart überfüllten Bus quetsche ich mich mit Sack und Pack, und komme, Trommelwirbel, als erster am Flughafen an.
Wer kommt noch? Vera und Sebastian von den TUs Ilmenau und Dresden, Rika und Takuya aus Japan, Anna aus den Niederlanden und natürlich Tatiana und Milene. Sie kennen wir glaube ich ursprünglich über Juliane, und bei Patricia, der Schwester von Tatiana und Milene, sind wir heute eingeladen. Während wir so auf den Flieger aus Buenos Aires zum Weiterflug nach São Paulo warten, wird es Zeit, den Flughafen von Florianópolis näher zu beschreiben: Er ist ziemlich klein, und unser Flug ist der letzte für heute. Dementsprechend hoch motiviert sind alle Mitarbeiter der Billigfluglinie GOL, was zu Deutsch Tor heißt. Der Abflugbereich fasst maximal 100 Leute, und man läuft zu Fuß über das Vorfeld zum Flugzeug hin. Außerdem gibt es keine Taxiway, sondern nur die eine Start- und Landebahn. Der ankommende Flieger muss also auf der Landebahn wenden, bevor er uns in Empfang nehmen kann. Ich nehme am Fenster neben Takuya Platz, im Flugzeug reichen uns wahrliche Models Guaraná, Müsliriegel und Erdnüsse. Nach einer Dreiviertelstunde Flug über das Meer taucht am Horizont São Paulo auf, und die nächsten zehn Minuten fliegen wir über die Stadt. Zum Vergleich: Wer in Frankfurt startet, ist nach zwei Minuten mitten über dem Odenwald. Am Flughafen erwarten uns Patricia und Alexandre, ihr Mann. Sie haben für den Abend einen Kleinbus gemietet (mit Fahrer – wie immer in Brasilien, weil: der kostet doch nichts) und durch nächtliche, riesengroße Ausfallstraßen mit noch größeren Schlaglöchern geht es in einstündiger Fahrt über die betagte Via Dutra, Brasiliens wichtigste Autobahnverbindung zwischen Rio de Janeiro und São Paulo, bis nach São José dos Campos, wo Patricia und Alexandre wohnen. Dort angekommen, wird schon mal ein Bierchen der Marke „Baden Baden“ geöffnet, und Alexandre erzählt von seinem Praktikum bei einem großen europäischen Luftfahrzeughersteller in Deutschland und in Frankreich. Deshalb wohnen die beiden auch in São José dos Campos, denn hier befindet sich der Hauptsitz von Embraer, der brasilianischen Luftfahrtschmiede, wo er heute arbeitet. Im Scherz beklagt sich Alexandre darüber, dass er im Praktikum in Deutschland kaum Deutsch gelernt hätte, dafür jedoch seine Englischkenntnisse gut erweitern konnte.
Abends hat mich Claudio am TICEN raus gelassen, von wo ich mit dem Bus zum Aeroporto Hercílio Luz weiterfahren wollte. Dieses Mal haben demonstrierende Studenten die Schnellstraße von der Brücke zum Tunnel in den Süden der Insel, wo auch der Flughafen liegt, lahm gelegt. Vom TICEN fahren keine Busse in Richtung Süden, und das Verkehrschaos in der Stadt beruhigt mich nur insoweit, dass ich auch mit einem Taxi nicht schneller wäre und meinen Flieger um 21:05 Uhr schon davonbrausen sehe. Irgendwie schlage ich mich zur letzten Auffahrt vor dem Tunnel durch, wo die Busgesellschaft Insular, die den Süden der Insel anfährt, spontan heute Abend abfährt – wie ich wollen nämlich auch viele Tausend Pendler raus aus der Stadt. In einen derart überfüllten Bus quetsche ich mich mit Sack und Pack, und komme, Trommelwirbel, als erster am Flughafen an.
Wer kommt noch? Vera und Sebastian von den TUs Ilmenau und Dresden, Rika und Takuya aus Japan, Anna aus den Niederlanden und natürlich Tatiana und Milene. Sie kennen wir glaube ich ursprünglich über Juliane, und bei Patricia, der Schwester von Tatiana und Milene, sind wir heute eingeladen. Während wir so auf den Flieger aus Buenos Aires zum Weiterflug nach São Paulo warten, wird es Zeit, den Flughafen von Florianópolis näher zu beschreiben: Er ist ziemlich klein, und unser Flug ist der letzte für heute. Dementsprechend hoch motiviert sind alle Mitarbeiter der Billigfluglinie GOL, was zu Deutsch Tor heißt. Der Abflugbereich fasst maximal 100 Leute, und man läuft zu Fuß über das Vorfeld zum Flugzeug hin. Außerdem gibt es keine Taxiway, sondern nur die eine Start- und Landebahn. Der ankommende Flieger muss also auf der Landebahn wenden, bevor er uns in Empfang nehmen kann. Ich nehme am Fenster neben Takuya Platz, im Flugzeug reichen uns wahrliche Models Guaraná, Müsliriegel und Erdnüsse. Nach einer Dreiviertelstunde Flug über das Meer taucht am Horizont São Paulo auf, und die nächsten zehn Minuten fliegen wir über die Stadt. Zum Vergleich: Wer in Frankfurt startet, ist nach zwei Minuten mitten über dem Odenwald. Am Flughafen erwarten uns Patricia und Alexandre, ihr Mann. Sie haben für den Abend einen Kleinbus gemietet (mit Fahrer – wie immer in Brasilien, weil: der kostet doch nichts) und durch nächtliche, riesengroße Ausfallstraßen mit noch größeren Schlaglöchern geht es in einstündiger Fahrt über die betagte Via Dutra, Brasiliens wichtigste Autobahnverbindung zwischen Rio de Janeiro und São Paulo, bis nach São José dos Campos, wo Patricia und Alexandre wohnen. Dort angekommen, wird schon mal ein Bierchen der Marke „Baden Baden“ geöffnet, und Alexandre erzählt von seinem Praktikum bei einem großen europäischen Luftfahrzeughersteller in Deutschland und in Frankreich. Deshalb wohnen die beiden auch in São José dos Campos, denn hier befindet sich der Hauptsitz von Embraer, der brasilianischen Luftfahrtschmiede, wo er heute arbeitet. Im Scherz beklagt sich Alexandre darüber, dass er im Praktikum in Deutschland kaum Deutsch gelernt hätte, dafür jedoch seine Englischkenntnisse gut erweitern konnte.
Terça-feira, Junho 14, 2005
Tandempartnerschaft und Sushi
Abends habe ich mich wieder mit Vilson, dem Deutschlehrer, im Sprachzentrum getroffen. Wir werden ein Programm machen, was sich Tandempartnerschaft nennt: Man trifft sich, und redet die Hälfte der Zeit auf Portugiesisch, die andere auf Deutsch, über irgendwelche Themen, die einem gerade einfallen. Über die Wahlen für den StuRa in Florianópolis sind wir zum Fußball gekommen, und diskutierten über die Mehrdeutigkeit des Wortes „unentschieden“: Eine Personen kann (un-)entschieden sein (uma pessoa (in-)decidida), und eine Sache kann bisher nicht entschieden sein, dann heißt es indeciso. Ein Fußballspiel kann unentschieden enden (o jogo terminou empatado) – empate heißt Gleichstand. Daher kann eine Person niemals empatada sein.
Auch lernte ich weitere Feinheiten der Sprache: Ein Fußballspiel endet 3 zu 1, auf portugiesisch três a um. Aber ein Verhältnis (z.B. beim Mischen von Flüssigkeiten) ist 3 para 1, im Deutschen ebenfalls 3 zu 1.
Jetzt weiß Vilson, dass eine Kommune in Deutschland nicht nur die Stadt- oder Gemeindeverwaltung ist, sondern auch das 70er-Jahre Kultwort für Wohngemeinschaft, als die RAF die Schlagzeilen beherrschte.
Zur Deutschstunde bin ich heute nicht geblieben, habe mich aber statt dessen mit Vera, Sebastian, Anna, Rika, Takuyo und Dominik in einer Sushi-Bar in Lagoa de Conceição getroffen. Irgendwann sind auch noch Felipe und seine Freundin aus Maranhão hinzu gestoßen. In der Sushi-Bar gab es Gott sei Dank noch andere Sachen außer Rodízio de Sushi, so wählte ich ein japanisches Nudelgericht mit Gemüse und Hühnerfleisch, sehr schmackhaft.

Anna, Sebastian und Vera sind fast noch größere Sushifreunde als unsere beiden Japaner...
Dominik, der Physikstudent aus Freiburg, genießt seine letzte Woche in Floripa und versucht noch gerade krampfhaft, sein Surfbrett an den Mann zu bringen, bevor er sich wieder zu endlosen Messungen in sein UFSC-Physiklabor verkriecht:-)
Tja, und wir anderen sind schon ziemlich gespannt, schließlich wird es ein verlängertes Wochenende in São Paulo geben, wofür wir irgendwann mal im April die Tickets gekauft haben – ihr erinnert Euch? Aber eigentlich geht es nur in den Bundesstaat São Paulo, genauer gesagt nach São José dos Campos und nach Campos de Jordão. Ich melde mich, wenn ich wieder da bin.
Auch lernte ich weitere Feinheiten der Sprache: Ein Fußballspiel endet 3 zu 1, auf portugiesisch três a um. Aber ein Verhältnis (z.B. beim Mischen von Flüssigkeiten) ist 3 para 1, im Deutschen ebenfalls 3 zu 1.
Jetzt weiß Vilson, dass eine Kommune in Deutschland nicht nur die Stadt- oder Gemeindeverwaltung ist, sondern auch das 70er-Jahre Kultwort für Wohngemeinschaft, als die RAF die Schlagzeilen beherrschte.
Zur Deutschstunde bin ich heute nicht geblieben, habe mich aber statt dessen mit Vera, Sebastian, Anna, Rika, Takuyo und Dominik in einer Sushi-Bar in Lagoa de Conceição getroffen. Irgendwann sind auch noch Felipe und seine Freundin aus Maranhão hinzu gestoßen. In der Sushi-Bar gab es Gott sei Dank noch andere Sachen außer Rodízio de Sushi, so wählte ich ein japanisches Nudelgericht mit Gemüse und Hühnerfleisch, sehr schmackhaft.

Anna, Sebastian und Vera sind fast noch größere Sushifreunde als unsere beiden Japaner...
Dominik, der Physikstudent aus Freiburg, genießt seine letzte Woche in Floripa und versucht noch gerade krampfhaft, sein Surfbrett an den Mann zu bringen, bevor er sich wieder zu endlosen Messungen in sein UFSC-Physiklabor verkriecht:-)
Tja, und wir anderen sind schon ziemlich gespannt, schließlich wird es ein verlängertes Wochenende in São Paulo geben, wofür wir irgendwann mal im April die Tickets gekauft haben – ihr erinnert Euch? Aber eigentlich geht es nur in den Bundesstaat São Paulo, genauer gesagt nach São José dos Campos und nach Campos de Jordão. Ich melde mich, wenn ich wieder da bin.
Segunda-feira, Junho 13, 2005
Ein Montag wie jeder andere
Heute hat Wanderlei, meine Stammcarona nach Norden, gekündigt. Die lange Fahrt am Wochenende war ihm zu weit, und er hat in Joinville einen anderen Job gefunden. Das ist natürlich ein echter Verlust, und bei den Kündigungsfristen hier hat er morgen seinen letzten Arbeitstag. Ich habe mich derweil mal ein bisschen in die Statistische Prozessregelung eingearbeitet, die ja Adrián und Liliana hier einführen wollen. Ich erstelle gerade die Excel-Vorlagen dafür, das ist einigermaßen langweilig. Immerhin lerne ich ein paar vertiefende Excel-Funktionen. Schade, jetzt bräuchte ich Kenntnisse in Makroprogrammierung und VBA (Visual Basic for Applications).
Abends habe ich mich noch mit Markus getroffen. Langsam nimmt die Wohnungssuche Gestalt an. Sobald alles unter Dach und Fach ist, mehr auf dieser Welle.
Abends habe ich mich noch mit Markus getroffen. Langsam nimmt die Wohnungssuche Gestalt an. Sobald alles unter Dach und Fach ist, mehr auf dieser Welle.
Domingo, Junho 12, 2005
Churrasco com Ricardo
So ein Tag kommt natürlich selten schwer in Gang. Ricardo hatte einige Tage zuvor Geburtstag, wegen einer Erkältung aber bisher nicht feiern können. Das hat er heute mit einigen seiner Freunde und uns nachgeholt.

Auf die Grundbedürfnisse reduziert: Bier, Grillen, Formel 1
Es gab Fleisch. Nur Fleisch. Kein Salat, keine Teller, keine Saußen. Aber lecker, nicht zuletzt weil auf Gaúcho-Art: in groben Salzkörnern paniert wird das Fleisch auf einen Grillrost gelegt, anstatt auf einen Spieß aufgesteckt. Einige Sachen werden auch aufgespießt, und später auf dem Rost weiter gebraten. Zwischendurch wechseln wir uns alle mal am Skype ab, synchronisieren mal wieder unsere Fotobestände und irgendwann abends mache ich mich mit Christian auf den Weg zur Rodoviária.

Auf die Grundbedürfnisse reduziert: Bier, Grillen, Formel 1
Es gab Fleisch. Nur Fleisch. Kein Salat, keine Teller, keine Saußen. Aber lecker, nicht zuletzt weil auf Gaúcho-Art: in groben Salzkörnern paniert wird das Fleisch auf einen Grillrost gelegt, anstatt auf einen Spieß aufgesteckt. Einige Sachen werden auch aufgespießt, und später auf dem Rost weiter gebraten. Zwischendurch wechseln wir uns alle mal am Skype ab, synchronisieren mal wieder unsere Fotobestände und irgendwann abends mache ich mich mit Christian auf den Weg zur Rodoviária.
Sábado, Junho 11, 2005
Jaraguá do Sul
Nach dem hastigen Frühstück in Christians Gastfamilie bringt uns der Gastbruder in die Stadt, und an der Rodoviária geht’s in den Pinga-Pinga, den Bummelbus nach Jaraguá. Für die 70 km braucht der mehr als 1,5 Stunden und hält an jeder Landbushaltestelle. Nach der Ankunft in Steves Wohnung, er wohnt mit Ricardo, einem weiteren WEG-Mitarbeiter zusammen in einer WG, machen wir uns nach einer Zwischenstation in einer Lanchonette auf den Weg zum Treffpunkt mit Wilson Bruch. Bruchi, so wird er hier ausgesprochen, ist ebenfalls ein Kollege von Steve und ehrenamtlicher Organisator des Jaraguáer Schützenfestes.

Bruch und Steve
Dahinter stehen einige Vereine, und Bruch engagiert sich im größten dieser Vereine, dem Clube Atlético Baependi. Es ist eine Mischung aus Karnevals- und Sportverein mit eigenem Stadion und Schwimmbad, und einem riesengroßen edlen Vereinshaus, wo heute eine vereinsinterne Feier stattfinden wird. Bruch hat uns eingeladen, und wir sind dabei. Zuerst gibt es einen Festumzug durch die Stadt, das ganze erinnerte etwas an eine Burschenschaftsprozession. In der Sociedade angekommen, gab es reichlich zu Essen und zu trinken. Dann kamen die Ehrungen für die besten Vereinsportler des Jahres, von Schwimmern, Keglern, Tischtennisspielern bis Schützen. Natürlich durfte dort unserer Schützenmeister, das ist der Titel von Bruch, auf dem Podium nicht fehlen. Schließlich wurde noch eine Misswahl durchgeführt, leider waren nur wenige junge Leute da. Dafür sprachen alle älteren fließend Deutsch. Ganz besonders für sie hat Christian dann noch mal seine Trompete hervorgeholt, als die Band schon Feierabend gemacht hatte. Bei der Band lief alles immer irgendwie auf „Anton aus Tirol“ hinaus, ähnlich wie Gitarrenspieler, die in ihre Konzentration auf die Basisakkorde von „Nothing else matters“ herunterfahren.

In der Band hatte Christian zuvor auch schon kräftig mitgetrötet.
Mit irgendeinem betrunkenen Rechtsanwalt haben wir dann im Schneckentempo Carona genommen.

Bruch und Steve
Dahinter stehen einige Vereine, und Bruch engagiert sich im größten dieser Vereine, dem Clube Atlético Baependi. Es ist eine Mischung aus Karnevals- und Sportverein mit eigenem Stadion und Schwimmbad, und einem riesengroßen edlen Vereinshaus, wo heute eine vereinsinterne Feier stattfinden wird. Bruch hat uns eingeladen, und wir sind dabei. Zuerst gibt es einen Festumzug durch die Stadt, das ganze erinnerte etwas an eine Burschenschaftsprozession. In der Sociedade angekommen, gab es reichlich zu Essen und zu trinken. Dann kamen die Ehrungen für die besten Vereinsportler des Jahres, von Schwimmern, Keglern, Tischtennisspielern bis Schützen. Natürlich durfte dort unserer Schützenmeister, das ist der Titel von Bruch, auf dem Podium nicht fehlen. Schließlich wurde noch eine Misswahl durchgeführt, leider waren nur wenige junge Leute da. Dafür sprachen alle älteren fließend Deutsch. Ganz besonders für sie hat Christian dann noch mal seine Trompete hervorgeholt, als die Band schon Feierabend gemacht hatte. Bei der Band lief alles immer irgendwie auf „Anton aus Tirol“ hinaus, ähnlich wie Gitarrenspieler, die in ihre Konzentration auf die Basisakkorde von „Nothing else matters“ herunterfahren.

In der Band hatte Christian zuvor auch schon kräftig mitgetrötet.
Mit irgendeinem betrunkenen Rechtsanwalt haben wir dann im Schneckentempo Carona genommen.
Sexta-feira, Junho 10, 2005
Stippvisite in Blumenau
Meine Stammcarona Wanderlei ist schon am Donnerstag nach Joinville aufgebrochen, so dass ich heute nach der Arbeit wieder mit dem Bus nach Blumenau gefahren bin. Im Bus gab es ohne Ende Stress mit Tickets und den Sitzplätzen, weil die Schaffner vor Einlass in den Bus zwar das Fahrtziel kontrolliert hatten, aber dennoch Fahrgäste mit anderem Reiseziel im Bus saßen. Ich frage mich, ob man als Analphabet bei der Firma Auto Viação Catarinense als Busschaffner anheuern kann – offenbar. Im deutlich verspäteten Bus habe ich es tatsächlich geschafft, noch etwas am Praktikumsbericht zu tippen, bevor ich mich mit Christian in Blumenau in der neuen Chopperia getroffen habe. Wegen ausgeprägtem Hunger haben wir dann aber doch die Straßenseite gewechselt und sind mal wieder in der Tunga gelandet, hier ist der X-Salada einfach billiger. Übernachten konnte ich in Christians Gastfamilie, die ihr Zuhause ganz weit draußen hat.
Quinta-feira, Junho 09, 2005
Desbobinador fertig
...werde aber eines besseren belehrt: Schweißer Luiz hat ganze Arbeit geleistet, so dass der von mir konstruierte Desbobinador am Nachmittag seine Feuertaufe bestanden hat und nun in der Produktion eingesetzt wird.
Quarta-feira, Junho 08, 2005
A Argentina está qualificada para o copo de mundo!
Heute war großes Fußballspiel, o Brasil contre a Argentina. Was gleichbedeutend ist mit Deutschland gegen Holland. Als ich bei Vera und Sebastian ankomme, sind schon 20 Leute da, und das erste Tor ist gefallen. Für Argentinien. Neben den üblichen Verdächtigen (Anna und die beiden Japaner) rücken noch zwei weitere Deutsche (Dominik und Thomas), viele Brasilianer, einige Argentinier und eine Schwedin (auch Wirtschaftsingenieurin aus der ESTIEM-Gruppe in Stockholm) ins Appartement ein, doch alles Daumendrücken für die Brasilianischen Superstars um Ronaldinho Gaúcho hilft nichts: Zur Pause führen die deutlich überlegenen Argentinier 3:0, und als in der zweiten Halbzeit das 3:1 fällt, hört man keinen einzigen Jubelschrei auf den Straßen: Die Brasilianer sind schon im Bett. Schwache Leistung. Somit hat Argentinien als erste südamerikanische Mannschaft das Ticket zur WM in Deutschland sicher – und Brasilien noch nicht. Ich prophezeie, dass sich dieses auf das morgen zu erwirtschaftende BSP in Brasilien drastisch auswirkt – nämlich dass es gegen null gehen könnte…
Terça-feira, Junho 07, 2005
Wohnungssuche die erste oder Wo bitte finde ich die Apotheke?
Leider hatte ich auf der Arbeit vergessen, mir die Handynummer eines Studenten aufzuschreiben, der ein Zimmer in seiner WG vermietet. Also habe ich dann in der UFSC mein Notebook in der Bibo aufgeklappt und nicht schlecht gestaunt, dass mein Tischnachbar ein deutsches Notebook mit deutschem Windows vor sich hatte: „Hey, bist Du ein Deutscher?“ frage ich. Nein, Vilson ist Brasilianer und Deutschlehrer, war bis vor kurzem für ein Jahr in Leipzig und spricht beinahe akzentfrei Deutsch. Falls ich nach meiner Wohnungsbesichtigung noch Zeit hätte, lädt er mich ein, noch in seiner Deutschstunde vorbeizuschauen.
Nun, die Wohnung war ein Flop, so ein paar schnoddrige Maschbauer mit illegal angezapftem Internet vom Nachbarn. So finde ich mich kurze Zeit später im Centro de Comunicação e Expressão, Sala 206 wieder, wo eine Handvoll Brasilianer, vom Maschinenbauer bis zum Wirtschaftsingenieur, gerade für das nächste Unibral-Programm lernen. Auf dem heutigen Stundenplan stehen Übungen zu Wegbeschreibungen auf Stadtplänen. Vilson hat einen kleinen Stadtplan auf die Tafel gemalt, und so heißt es durchfragen: Wo befindet sich die Apotheke? Immer geradeaus, und an der zweiten Kreuzung nach rechts in die Hauptstraße einbiegen.
Das war lustig, ich habe mich nützlich gemacht und Vokabeln an die Tafel geschrieben, hin und wieder nach dem Weg fragen müssen, und am Ende ein wenig erläutert, warum es in Deutschland den Buchstaben ß gibt. Auf dem Nachhauseweg habe ich mit zwei Studenten noch Palavrãos, Schimpfwörter ausgetauscht und bin ich sicher, dass ich dort noch einmal vorbeischauen werde.
Nun, die Wohnung war ein Flop, so ein paar schnoddrige Maschbauer mit illegal angezapftem Internet vom Nachbarn. So finde ich mich kurze Zeit später im Centro de Comunicação e Expressão, Sala 206 wieder, wo eine Handvoll Brasilianer, vom Maschinenbauer bis zum Wirtschaftsingenieur, gerade für das nächste Unibral-Programm lernen. Auf dem heutigen Stundenplan stehen Übungen zu Wegbeschreibungen auf Stadtplänen. Vilson hat einen kleinen Stadtplan auf die Tafel gemalt, und so heißt es durchfragen: Wo befindet sich die Apotheke? Immer geradeaus, und an der zweiten Kreuzung nach rechts in die Hauptstraße einbiegen.
Das war lustig, ich habe mich nützlich gemacht und Vokabeln an die Tafel geschrieben, hin und wieder nach dem Weg fragen müssen, und am Ende ein wenig erläutert, warum es in Deutschland den Buchstaben ß gibt. Auf dem Nachhauseweg habe ich mit zwei Studenten noch Palavrãos, Schimpfwörter ausgetauscht und bin ich sicher, dass ich dort noch einmal vorbeischauen werde.
Segunda-feira, Junho 06, 2005
Maria, cheia de graça
Heute bin ich noch gut in der Firma angekommen, aber die Internet-Gazetten verbreiten: Seit acht Uhr ist das TICEN wieder lahm gelegt. Dieses Mal sind es keine demonstrierende Studenten, die eine manifestação veranstalten, sondern die Motoristas und Cobradores: Busfahrer und Busschaffner streiken. Wenn schon die Kunden nicht protestieren, dann kann ja auch mal der Anbieter streiken… Solange sie nicht vor acht Uhr streiken und ich abends weiterhin bei Claudio Carona nehmen kann, kann mir das egal sein.
Abends habe ich mich mit Adrián und Liliana in ihrem Laboratório in der UFSC getroffen. Sie haben mir einige Sachen zur statistischen Prozessregelung erklärt, die in Brasilien CEP heißt – Controle estatitístico do processo.

mit Adrián und Liliana, den Doktoranden für Qualitätsmanagement in der UFSC
Danach waren wir noch in der Bar de Nina, wo beide nicht müde wurden, mit mir über japanische Qualitätsbegriffe zu diskutieren, so dass unsere virtuellen Tischnachbarn Ishikawa, Kaizen und Poka Yoke heißen.
Irgendwann kommt ein Freund von Liliana vorbei, der wie Liliana aus Bogotá stammt: Heute laufe doch ein kolumbianischer Film im Kulturkino CIC, und ob wir nicht Lust hätten, mitzukommen? Adrián lehnt ab, aber ich lass mir dass nicht zweimal sagen, werde durch die Hilfe kolumbianischer Studenten geschickt an der langen Schlange vorbeigeschleust und lande dieses Mal im großen Saal des CIC, wo es heute den pünktlich zum Beginn von „Maria cheia de graça“. In Deutschland müsste er vor kurzem als „Maria voll der Gnade“ im Kino angelaufen sein. Die 17-jährige Maria wird im ihrem tristen Rosenschnippler-Leben als Drogenkurierin angeworben, und schmuggelt in ihrem Körper würstchenartig verpacktes Heroin nach New York.

Ich habe den Film sehr gemocht, einzig Liliana war nicht zufrieden: Kolumbien habe in der Welt zu Unrecht ein Drogenimage, und der Film würde dieses befördern anstatt mit dem Vorurteil aufzuräumen.
Aus Deutschland gibt es gute Nachrichten: Endlich ist die Einladung für Franziska von der UFSC angekommen, dass sie sich ab Juli hier immatrikulieren kann. Am 13. Juli wird sie in Florianópolis eintreffen, so dass ich diesem Tagebuch jetzt eine neue Autorin hinzufügen werde. Außerdem heißt es nun: Franziska und Marcus in Brasilien.
Abends habe ich mich mit Adrián und Liliana in ihrem Laboratório in der UFSC getroffen. Sie haben mir einige Sachen zur statistischen Prozessregelung erklärt, die in Brasilien CEP heißt – Controle estatitístico do processo.

mit Adrián und Liliana, den Doktoranden für Qualitätsmanagement in der UFSC
Danach waren wir noch in der Bar de Nina, wo beide nicht müde wurden, mit mir über japanische Qualitätsbegriffe zu diskutieren, so dass unsere virtuellen Tischnachbarn Ishikawa, Kaizen und Poka Yoke heißen.
Irgendwann kommt ein Freund von Liliana vorbei, der wie Liliana aus Bogotá stammt: Heute laufe doch ein kolumbianischer Film im Kulturkino CIC, und ob wir nicht Lust hätten, mitzukommen? Adrián lehnt ab, aber ich lass mir dass nicht zweimal sagen, werde durch die Hilfe kolumbianischer Studenten geschickt an der langen Schlange vorbeigeschleust und lande dieses Mal im großen Saal des CIC, wo es heute den pünktlich zum Beginn von „Maria cheia de graça“. In Deutschland müsste er vor kurzem als „Maria voll der Gnade“ im Kino angelaufen sein. Die 17-jährige Maria wird im ihrem tristen Rosenschnippler-Leben als Drogenkurierin angeworben, und schmuggelt in ihrem Körper würstchenartig verpacktes Heroin nach New York.

Ich habe den Film sehr gemocht, einzig Liliana war nicht zufrieden: Kolumbien habe in der Welt zu Unrecht ein Drogenimage, und der Film würde dieses befördern anstatt mit dem Vorurteil aufzuräumen.
Aus Deutschland gibt es gute Nachrichten: Endlich ist die Einladung für Franziska von der UFSC angekommen, dass sie sich ab Juli hier immatrikulieren kann. Am 13. Juli wird sie in Florianópolis eintreffen, so dass ich diesem Tagebuch jetzt eine neue Autorin hinzufügen werde. Außerdem heißt es nun: Franziska und Marcus in Brasilien.
Domingo, Junho 05, 2005
Autobahn, bring mi haam
Markus und ich repräsentieren ja sozusagen die Küstenkinder unter uns Austauschstudenten. So gelang es uns heute, früh aufzustehen, schließlich wollten wir bei diesem schönen Tag noch mal in Floripa an den Strand. Wir erwischten nicht nur einen Direito nach Florianópolis, sondern auch zwei der vorderen Plätze in der oberen Busetage. Ein perfekter Ausblick, um ein paar Fotos von allen Weichenstellern zu machen, die sich so auf einer Autobahn herumtreiben.

Müllsammler in Balneário Camboriú

Fußgänger in Balneário Camboriú

Kleine Zwischenräume im Mittelstreifen ermöglichen es Fußgängern und Radfahrern, die Autobahn zu queren.

In dieser Siedlung haben sich die Einwohner mal an einer Fußgängerbrücke versucht (hier gibt es ja auch keine Zwischenräume im Mittelstreifen) - scheiterten allerdings wohl schon vor einigen Jahren...

Einfahrt nach Floripa über die Zubringerautobahn auf Continente

Ab auf die Insel
Wir kamen bereits um 13 Uhr in Floripa an, und die Verabredung lautete: Nach Hause, umziehen, ab an den Strand, frühstmögliches Treffen am TILAG.
Markus hatte es aber offenbar nicht so eilig, so bin ich schon mal vorgefahren, nachdem ich schon einen weiteren Bus am TILAG abgewartet hatte, um wenigstens noch ein paar Sonnenstrahlen zu genießen. Als Markus ankam, ging die Sonne schon fast unter, es wurde kalt, also ab nach Hause.

Müllsammler in Balneário Camboriú

Fußgänger in Balneário Camboriú

Kleine Zwischenräume im Mittelstreifen ermöglichen es Fußgängern und Radfahrern, die Autobahn zu queren.

In dieser Siedlung haben sich die Einwohner mal an einer Fußgängerbrücke versucht (hier gibt es ja auch keine Zwischenräume im Mittelstreifen) - scheiterten allerdings wohl schon vor einigen Jahren...

Einfahrt nach Floripa über die Zubringerautobahn auf Continente

Ab auf die Insel
Wir kamen bereits um 13 Uhr in Floripa an, und die Verabredung lautete: Nach Hause, umziehen, ab an den Strand, frühstmögliches Treffen am TILAG.
Markus hatte es aber offenbar nicht so eilig, so bin ich schon mal vorgefahren, nachdem ich schon einen weiteren Bus am TILAG abgewartet hatte, um wenigstens noch ein paar Sonnenstrahlen zu genießen. Als Markus ankam, ging die Sonne schon fast unter, es wurde kalt, also ab nach Hause.
Sábado, Junho 04, 2005
São Francisco do Sul
Heute ist auch Markus wieder dabei, und so geht es mit dem Bus gemeinsam nach São Francisco do Sul, der drittältesten Stadt Brasiliens.

Eine renovierte Straße in São Francisco do Sul
Nach dem Ausstieg aus dem Bus mussten wir einen stehenden Güterzug überqueren, um zum historischen Zentrum zu gelangen, der dann plötzlich anfuhr. Das historische Zentrum bedarf einiger Restaurationsarbeiten, vieles ist zerfallen, wenig ist zu retten, zeugt aber von vergangener Pracht. Es gibt ein Programm, einen Straßenzug zu renovieren, und in einem renovierten alten Hafenteil ist das Meeresmuseum eingezogen, welches wir besichtigt haben. Es zeigt jedoch eigentlich nur Boote, von verschiedenen Indianerflößen bis zum Fischkutter und Phantasiemodellen von Koggen. Will heißen: So’n Hit war es nicht. Unterdessen waren wir noch essen, und haben uns dann auf den Rückweg gemacht. An einem anderen Bahnübergang kam wieder ein Güterzug, und da er nur mit Schrittgeschwindigkeit fuhr, hieß es: Aufspringen und Überqueren.

Der Zug fuhr nur mit Schrittgeschwindigkeit: Also Steve, aufspringen und rüber.
Nach einer Stunde descansar in der Posada haben wir uns abends noch mit Anne getroffen, die einen wirklich guten Mexikaner kannte (ein Restaurant – keine Person, aber wer weiß…?). Zweifelsohne das beste Restaurant, wo ich bisher in Brasilien war – leider lag es ein wenig außerhalb, so dass wir schon ein paar Kilometer zu laufen hatten.
Nach einer Zwischenstation in einer Kneipe beim Müller Shopping ging es zurück in die Pousada.

Eine renovierte Straße in São Francisco do Sul
Nach dem Ausstieg aus dem Bus mussten wir einen stehenden Güterzug überqueren, um zum historischen Zentrum zu gelangen, der dann plötzlich anfuhr. Das historische Zentrum bedarf einiger Restaurationsarbeiten, vieles ist zerfallen, wenig ist zu retten, zeugt aber von vergangener Pracht. Es gibt ein Programm, einen Straßenzug zu renovieren, und in einem renovierten alten Hafenteil ist das Meeresmuseum eingezogen, welches wir besichtigt haben. Es zeigt jedoch eigentlich nur Boote, von verschiedenen Indianerflößen bis zum Fischkutter und Phantasiemodellen von Koggen. Will heißen: So’n Hit war es nicht. Unterdessen waren wir noch essen, und haben uns dann auf den Rückweg gemacht. An einem anderen Bahnübergang kam wieder ein Güterzug, und da er nur mit Schrittgeschwindigkeit fuhr, hieß es: Aufspringen und Überqueren.

Der Zug fuhr nur mit Schrittgeschwindigkeit: Also Steve, aufspringen und rüber.
Nach einer Stunde descansar in der Posada haben wir uns abends noch mit Anne getroffen, die einen wirklich guten Mexikaner kannte (ein Restaurant – keine Person, aber wer weiß…?). Zweifelsohne das beste Restaurant, wo ich bisher in Brasilien war – leider lag es ein wenig außerhalb, so dass wir schon ein paar Kilometer zu laufen hatten.
Nach einer Zwischenstation in einer Kneipe beim Müller Shopping ging es zurück in die Pousada.
Sexta-feira, Junho 03, 2005
Joinville
Am Freitag habe ich wieder bei Wanderlei Carona nach Joinville genommen, wo ich mich mit Christian und Steve wieder in der Pousada Schulz getroffen habe. Wir haben auch Anne wiedergetroffen, die ja in Joinville arbeitet. Zusammen waren wir in der Rutana, wo ich mit Steve schon eine Woche zuvor war, heute aber nichts los war.
Quinta-feira, Junho 02, 2005
Praktikumsbergfest
Habe auf der Arbeit die ganze Woche gezeichnet, und Zeichnungen abgeleitet und detailliert. Der Desbobinador ist in Bau, eine Sägevorrichtung für Drehteile fast fertig, und am Dienstag war der letzte Arbeitstag für Silvia, die in ein Unternehmen für Arbeitssicherheit wechselt. Somit verliert der Olsen-Mitarbeiterverein seine fleißigste Kraft! Es gab noch mal eine Palette salgados, die frittierten Häppchen, und Kuchen. Tja, auch für mich ein Grund zum Feiern: Das Praktikum ist schon zur Hälfte vorbei.
Ihr erinnert Euch an mein Vale Transporte, die Buschipkarte? Richtig, das System, wo die Brasilianer weiter sind als die Deutschen. Diese wurde am Mittwoch, dem Monatsersten, automatisch aufgeladen, als ich sie zum ersten Mal benutzt habe. Kein Aufwand für die Arbeiter, wenig Aufwand für Unternehmen und die Busgesellschaft.
Es gibt übrigens immer noch Proteste von Studenten gegen die Preiserhöhungen, die tagsüber friedlich und abends krawallartig verlaufen. Ich habe einige Bilder aus der Internetausgabe der Zeitung eingefügt:





Ihr erinnert Euch an mein Vale Transporte, die Buschipkarte? Richtig, das System, wo die Brasilianer weiter sind als die Deutschen. Diese wurde am Mittwoch, dem Monatsersten, automatisch aufgeladen, als ich sie zum ersten Mal benutzt habe. Kein Aufwand für die Arbeiter, wenig Aufwand für Unternehmen und die Busgesellschaft.
Es gibt übrigens immer noch Proteste von Studenten gegen die Preiserhöhungen, die tagsüber friedlich und abends krawallartig verlaufen. Ich habe einige Bilder aus der Internetausgabe der Zeitung eingefügt:




